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Kettenhemd mit einer Armbrust beschossen

Am 21.07. sind wir am Rande der 800-Jahr-Feier von Mahlberg im Ortenaukreis Zeugen eines seltenen Ereignisses geworden:  Der Beschuss eines Kettenhemdes mit einer Armbrust.Das Kettenhemd war ein Nachbau eines der wenigen erhaltenen Exemplare aus dem 13. Jahrhundert, die Armbrust hatte ein Zuggewicht von ca. 200 kg. Das Ergebnis: Jeder einzelne der drei verschossenen Bolzen ist einfach so abgeprallt! Wenn mir das jemand vorher gesagt hätte, ich hätte ihm nicht geglaubt.

Das Kettenhemd ist Ring für Ring eine Sonderanfertigung

Das Kettenhemd ist natürlich kein so einfaches Teil wie die, die man allgemein so aus Asien geliefert bekommt (wenn natürlich auch mit vernieteten Ringen) und wie ich auch eines mein Eigen nenne, sondern ist Ring für Ring eine Sonderanfertigung und damit sehr nah am historischen Original dran. Dennoch habe ich bisher immer gedacht, dass so ein Kettenhemd für Geschosse, egal welcher Art, eher ein Haufen Löcher mit ein bisschen Draht drum herum ist. Andreas und Isak haben mit eines Besseren belehrt, danke dafür.

Kein wissenschaftliches Experiment

Wie Arne das in seinem Kommentar zum Video schon schreibt, Ist das natürlich kein wissenschaftliches Experiment. Dafür müsste man vorher den Bolzen wiegen, die Zugkraft der Armbrust exakt bestimmen, die Schussentfernung vermessen, die Geschwindigkeit des Bolzens messen, die Reißfestigkeit der Drahtringe im Kettenhemd und schlussendlich die Aufschlagenergie des Bolzens. Als Unterlage für das Kettenhemd sollte man dann natürlich auch keinen Strohballen, sondern ballistische Gelatine o.ä. verwenden. Aber für einen ersten Eindruck war das schon keine schlechte Sache.

Schutzwirkung des Kettenhemdes sehr hoch

Die Sorglosigkeit, mit der die Ritter damals in die Schlacht gezogen sind, scheint also keine reine Überheblichkeit gewesen zu sein. Die Schutzwirkung eines Kettenhemdes war offenslchtlich tatsächlich sehr hoch. Klar, ein dickes Hämatom oder die eine oder andere gebrochene Rippe dürfte ein solcher Treffer schon nach sich gezogen haben, aber das ist bei einer Pistolenkugel auf einer Schutzweste heute nicht anders.

Fazit (mal wieder): Man kann noch so viele akademische Überlegungen anstellen, aber nur Versuch macht klug.

Die Römer kommen wieder nach Zülpich

10 Jahre alt sind die Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur mittlerweile. Anlass genug für eine Feier. Daher: Die Römer kommen wieder nach Zülpich. Am 25. und 26. August – ja, schon so bald – beleben sie das Gelände am Wallgraben, direkt neben dem Museum. Nach unsrem Mittelalterfest im letzten Jahr schon unsere zweite Veranstaltung auf diesem Gelände.

Handwerker und Soldaten

Viele Handwerker und Soldaten entführen kleine und große Besucher in die Römerzeit: Die Römercohorte Opladen schickt Vexillationen der Legio VI Victrix und der angegliederten Cohors VI Asturum, die die Bewaffnung und Ausrüstung der römischen Armee

im 1. Jh. n. Chr. vorführen. Dazu gehört auch die Truppenwerkstatt, in der die Herstellung römischer Rüstungen demonstriert wird. Und: Die Soldaten bringen sogar einen kleinen Scorpio, ein Bolzengeschütz mit.

Von der Ornatrix frisch geschminkt ist die Dame, auszugehen. Foto: Gisela Michel.
Von der Ornatrix frisch geschminkt ist die Dame bereit, auszugehen. Foto: Gisela Michel.

Ein Bronzegießer wird zudem seinen Ofen anfeuern und ein Sutor wird die Herstellung von Schuhen und anderen Lederarbeiten demonstrieren. Ein Balnearius informiert über die vielfältigen Dienstleistungen zur Gesundheits- und Schönheitspflege in römischen Thermen.

Gleich nebenan sorgt eine Ornatrix dafür, dass Makeup und Frisur der Damen für die Abendeinladung gerichtet werden – und natürlich wird sie sich auch der lieben Kindlein annehmen.

Im Scriptorium werden Briefe und Urkunden aufgesetzt. Ein Mensor informiert über die Methoden der römischen Landvermessung und die ehrenwerten Matrones führen an verschiedenen Stellen die Herstellung, das Färben und die Verarbeitung von Textilien vor. Und da sich auch im römischen Reich Mode ständig wandelte, präsentiert das Contubernium primum Mode und Sachkultur der Spätantike.

Barbaren sind auch mit dabei
Die Kelten haben sich schon einmal auf den Weg gemacht.
Die Kelten haben sich schon einmal auf den Weg gemacht.

Ein paar Barbaren sich auch mit dabei. Eburonen und Rhein-Weser-Germanen schlagen Seite an Seite ihr Lager auf – Schädelheiligtum und Götzenbild inklusive. Doch geben sie sich friedlich und bringen den Kindern den Umgang mit Pfeil und Bogen bei.

Ein buntes Programm

Auch sonst haben wir ein buntes Programm vorbereitet: Einmal täglich halten die Gladiatoren des LVDVS NEMESIS Munera ab. Tapfer setzen sie ihr Leben auf’s Spiel, um dem Publikum zu gefallen. Hoffen wir, dass sie alle ihre Missio erhalten.

Ebenfalls einmal am Tag führen Römer und Barbaren in der Arena die Kleidung der Menschen in den römischen Provinzen und den benachbarten Gebieten vor. In einer großen Festumzug, einer Pompa, geht es zudem täglich einmal durch das römische Tolbiacum. Angekündigt und begleitet wird das alles jeweils von den Bläsern von MARCO MAGVS.

Zwischendurch gibt es Infos und Vorträge zur römischen Esskultur, Probehäppchen inklusive.

Spiele und Mitmachaktionen

Und natürlich gibt es viele Spiele und Mitmachaktionen. Wer möchte, kann sich typisch römisch dem Spiel mit Nüssen widmen oder sich an einem römischen Brettspiel versuchen. Oder wie wäre es mit einem kleinen, selbst abgeformten Andenken aus Modelliermasse?

Ein Highlight ist aber sicher das römische Wagenrennen für Kinder und ihre Väter. Papa zieht und die Kinder dürfen lenken – und antreiben!

Präsentationen von Ämtern und Museen

Wer nun wissen will, woher das ganze Wissen über die Römer stammt, der kann sich nicht nur im Museum, sondern auch an den Infoständen des LVR-Bodendenkmalamtes und zahlreicher weiterer Museen informieren. Und natürlich gibt es dort auch jeweils ein buntes Mitmachangebot. Römerbrot, Lucanische Würste und keltischer Eintopf werden den Hunger der Besucher durchaus zu stillen in der Lage sein.

Literatur zu Römern, Kelten und Germanen

An verschiedenen Stellen laden zudem Buchhändler und Verlage dazu ein, sich selbst durch die Literatur zu Kelten, Römern und Germanen zu arbeiten – und auch so, abseits aller Festivitäten, vielleicht ein kleines bisschen in die Welt vor rund 2.000 Jahren einzutauchen.

Mein Rückblick auf das Jahr 2017 – und ein kleiner Ausblick

Mann war das ein Jahr. Viel ist passiert. Wir haben eine Menge bewegen können. Eine ganze Reihe von Veranstaltungen haben wir durchgeführt, Projekte angestoßen und natürlich auch abgeschlossen. Ein Rückblick auf das Jahr 2017 scheint mir daher durchaus angebracht.

Ausstellung 2017: Im Schweiße deines Angesichts

Für mich persönlich war das größte Projekt 2017 die Kuratierung der Ausstellung „Im Schweiße deines Angesichts – Die Geschichte von Schwitzbad und Sauna“ für die Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur. Am 6. Dezember, genau am Tag des 100-jährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Finnlands, haben wir die Ausstellung eröffnet. Noch bis zum 18. Februar 2018 wird sie zu sehen sein.

Blick in die Saunaausstellung in Zülpich
Ein Blick in die Ausstellung „Im Schweiße deines Angesichts“ in den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur.

Ein dreiviertel Jahr hat mich die Ausstellung in Atem gehalten. Es gab viel zu tun. Mögliche Bilder und Objekte mussten recherchiert und bei den Leihgebern bzw. Rechteinhabern angefragt werden. Und natürlich habe ich das alles dann auch noch in eine publikumsgerechte Form bringen müssen. Für mich war es bereits die zweite Ausstellung, die ich für das Museum in Zülpich betreut habe.

Kelten in Titz und in Bonn

Schon zum zweiten Mal waren wir 2017 beim Tag der Archäologie zu Gast. Die Außenstelle Titz des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege veranstaltet dieses Fest alljährlich im Frühsommer. Auf dem Gelände der Außenstelle ist ein großer keltischer Hof aufgebaut. In dessen Haupthaus haben wir mit Kindern Gemüseeintopf und süßen Brei gekocht. Vor dem Haus haben wir Fibeln gebastelt und die verheerende Wirkung keltischer Waffen demonstriert. Und natürlich hat beinahe ständig einer von uns am Hoftor Wache gehalten – eine wunderbare Gelegenheit für viele tolle Gespräche mit Besuchern. 2018 werden wir wieder dabei sein.

Die rekonstruierte Carnyx im LVR-LandesMuseum Bonn.
Die rekonstruierte Carnyx im LVR-LandesMuseum Bonn. Foto: Beate Marks-Hanßen.

Einen ganz besonderen kleinen Auftritt hatten wir im Sommer 2017 am LVR-Landesmuseum in Bonn. Einige schon seit langem in der Dauerausstellung gezeigte Bronzeobjekte hatten sich bei einer erneuten Untersuchung als Fragmente einer Carnyx herausgestellt. Auf der Basis dieser Bruchstücke hat das Museum ein Replikat anfertigen lassen. Bei der Vorstellung dieses Nachbaus durften wir für die passende Kulisse sorgen.

Römer in Zülpich

Mehrfach war ich auch dieses Jahr wieder in den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur unterwegs. Als römischer Senator habe ich großen und kleinen Besuchern im Rahmen öffentlicher Erlebnisführungen Einblicke in die römische Badekultur gegeben – die Angst, ob die eigenen Kleider nach dem Thermenbesuch noch an ihrem Platz liegen werden, inklusive.

Nächstes Jahr wird es für uns dann auch richtig römisch. Die Römerthermen Zülpich feiern ihr zehnjähriges Bestehen als Museum. Für die Jubiläumsfeierlichkeiten organisieren wir am 25. und 26. August 2018 ein Römerfest mit Handwerkern, Legionären, Gladiatorenspielen, einem Triumphzug und jeder Menge weiterer Attraktionen.

Mittelalter rauf und runter

Der Höhepunkt unseres Jahres war natürlich unser Mittelalterfest in Zülpich. Die Vorbereitung dieser Veranstaltung war für mich, neben der Vorbereitung der Sauna-Ausstellung, der dickste Brocken des Jahres 2017. Ohne unser fantastisches Team und das Netzwerk des Deutschen Ritterkonvents wäre das nicht machbar gewesen. Denn ein solches Fest heißt für uns eben nicht nur, ein paar Händler, Mampf- und Saufbuden einzukaufen und dann ein Wochenende lang an der Kasse zu stehen. Bei uns heißt das vielmehr ganz viel Handwerksvorführung – auch von uns selbst. Da war natürlich einiges zu planen und zu organisieren. Und die Stunden, die Kollege Bongartz und ich in der Werkstatt verbracht haben, um Deko für das Gelände sowie Halbzeuge für Täschner, Schildbauer, Sarwürker und Fassmalerin vorzubereiten, sind auch kaum zu zählen.

Unser Mittelaltermarkt in Zülpich aus der Vogelperspektive.
Unser Mittelaltermarkt in Zülpich aus der Vogelperspektive. Foto: Bettina Klein.

Aber nicht nur dort waren wir mittelalterlich unterwegs. Gemeinsam mit dem Deutschen Ritterkonvent haben wir auf dem Ostermarkt auf Kloster Graefenthal in Goch einen nicht unerheblichen Teil des Programms bestritten. Ich selbst habe als Croyeur die tägliche Feldschlacht begleitet und zudem die Modenschau moderiert. Auch 2018 sind wir mit dabei. Leider werde ich persönlich diesen Termin jedoch versäumen müssen – eines der Museen auf unserer Kundenliste war schneller mit der Buchung.

Nicht nur Mittelaltermärkte

Am Wochenende rund um den Internationalen Museumstag im Mai waren wir, wieder zusammen mit dem Deutschen Ritterkonvent, zu Gast auf Burg Nideggen. Auch dort habe ich die Modenschau sowie die Rüstungsschau moderiert. 2018 werden wir über das Pfingstwochenende wieder dort sein.

Klein, aber nicht weniger fein waren meine Auftritte in der Ausstellung „Die Zisterzienser – das Europa der Klöster“ im LVR-Landesmuseum Bonn. Als mittelalterlicher Handwerker habe ich dort mehrfach im Rahmen des Programms „Glühen ist mehr als Wissen“ Besuchergruppen in das Leben im Mittelalter und speziell im Kloster eingeführt – singen des Ave Marias inklusive. Da die Ausstellung nur noch bis Ende Januar zu sehen sein wird, gibt es leider keine weiteren derartigen Einsätze mehr.

Natürlich waren wir 2017 mit unseren Mittelalter-Mitmachprogrammen in Kindergärten und Schulen zu Gast. Und nicht vergessen will ich natürlich auch unser großes Mittelalter-Mitmachfest im Jugendfreizeitheim Bochum-Riemke. Dieses stellen wir in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt der Stadt Bochum als Höhepunkt des Ferienpass-Programms in den Sommerferien auf die Beine. Na klar, und im Jubiläumsjahr 2018 lassen wir uns noch ein paar Extras einfallen – dann sind wir nämlich schon im zehnten Jahr dort.

Lehrer vor 100 Jahren in Kommern

Weitere Living History-Einsätze hatte ich im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Dort bin ich seit dem letzten Jahr im alten Schulhaus immer wieder als Lehrer vor 100 Jahren im Einsatz – Rohrstock inklusive. Der kommt aber natürlich nicht zum Einsatz. Vielmehr lernen die Kinder, Sütterlin auf einer Schiefertafel zu schreiben, mit dem Abakus zu rechnen und das Kaiserlied zu singen. Für Schulklassen und als offenes Angebot in den Ferien biete ich dort außerdem exklusiv den Workshop im Brettchenweben an.

Nicht zu vergessen: der alltägliche „Kleinkram“

Dazu kommen 2017 fast 400 weitere Workshops und ganz normale Führungen Im LVR-LandesMuseum Bonn, in den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur, dem LVR-Industriemuseum in Euskirchen-Kuchenheim, dem LVR-Freilichtmuseum Kommern und ganz selten auch noch einmal im Max Ernst-Museum des LVR in Brühl. Ach ja, und nicht zu vergessen wöchentlich je zwei Stunden Unterricht in den Fächern Biologie und Geschichte im FOS-Kurs an der VHS Rheinbach-Voreifel.

So ganz nebenbei wurde vom LVR-Römermuseum in Xanten ein Foto angefragt, das Sabine und mich als fränkisches Paar zeigt. Das Bild ist seit einiger Zeit auch schon in einer Medienstation im LVR-LandesMuseum Bonn zu sehen. Ein Foto einer mittelalterlichen Marktszene wird 2018 in einem Lehrbuch des Klett-Verlages erscheinen. Und ab Februar 2018 wird auch unser Seminarraum in neuem Glanz erstrahlen. Die Renovierungsarbeiten sind in vollem Gange.

Mittelalterfest in Zülpich 2017

Am 01. und 02.07.2017 feiern wir gemeinsam mit dem Zülpicher Geschichtsverein und den Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur unser Mittelalterfest in Zülpich 2017 an der Kurkölnischen Landesburg. Samstags eröffnen wir das Fest zur ersten Stunde nach dem Mittag, Ende ist zwei Stunden vor Mitternacht. Am Sonntag beginnt das Fest eine Stunde vor Mittag. Zur sechsten Stunde nach Sonntagmittag schließt das Fest endgültig. Der Eintritt ist frei. Und versprochen: Es wird viel zu sehen geben.

Ganz viel Handwerk
Bildstickerin
Vor den Augen des Publikums entsteht ein gesticktes Bild

Stickerin, Bändchenweberin, Färberin und Stoffdruckerin führen ihr Handwerk vor. Bei der Fassmalerin gibt es Minnekästchen, die vor den Augen des Publikums ihre herrliche Bemalung erhalten. Auch die Buchmalerin und Kalligrafin führt ihre Kunst mit Farbe, Pinsel und Feder vor. Und beim Jäger darf man vielleicht sogar eines seiner Frettchen streicheln. Außerdem mit dabei sind:

  • ein Schreiner
  • ein Drechsler
  • ein Steinmetz
  • ein Gürtler
  • ein Schildbauer

Ihnen allen darf man jede Menge Löcher in den Bauch fragen. Denn sie alle sind Experten für die Geschichte ihres jeweiligen Handwerks.

Mitmachaktionen für Kinder und reichlich Unterhaltung

Beim Täschner können Kinder einen kleinen Lederbeutel bastelnn. Beim Sarwürker dürfen sie aus Bronzedraht eine kleine Fibel herstellen. Wer mag, kann sich bei der Bogen- und Pfeilemacherin eigene Pfeile bauen. Diese dürfen auf der Bogenschießbahn dann auch gleich ausprobiert werden.

Armbrustschiessbude
Unsere Armbrustschießbude – beliebt bei kleinen und großen Besuchern

Für Kinder gibt es aber noch mehr: Eine Armbrustschießbude, Hufeisenwerfen und unser großes Kinder-Ritterturnier. Am Stand des Museums können kleine Ritter – und Ritterinnen – ihren eigenen Wappenschild gestalten. Regelmäßig gibt es bei der Wahrsagerin Märchen. Und allen, die einen Blick in die eigene Zukunft werfen wollen, legt die Weise Frau in den Pausen zwischen den Märchen gerne die Karten.

Portrait Knud Seckel
Für die musikalische Unterhaltung sorgt Knud Seckel.

Für mittelalterlich-musikalische Unterhaltung sorgt Knud Seckel. Auch für die rechte Unterhaltung von Gaumen und Kehle wird reichlich gesorgt sein. Und natürlich muss auch der Marktfrieden aufrechterhalten werden. Sollte also der eine oder andere Handwerker einmal nicht an seinem Stand sein: Er dürfte gerade seiner Pflicht zum Wachdienst nachkommen.

Infos zum Mittelalter

Wer über das Gesehene und Gehörte hinaus dann noch mehr über das Mittelalter erfahren will, wird am Stand der örtlichen Buchhandlung sicherlich fündig werden. Außerdem bieten die Römerthermen Zülpich – Museum der Badekultur am Samstag und am Sonntag jeweils von der vierten bis zur fünften Stunde des Nachmittags eine Führung zum Badewesen im Mittelalter an. Teilnehmen lohnt sich!

Infos zur Geschichte Zülpichs – natürlich auch zum Mittelalter – gibt es in der Geschichtswerkstatt des Zülpicher Geschichtsvereins in der Landesburg. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass unser Mittelalterfest in Zülpich ein tolles Erlebnis für Groß und Klein wird.

Anfahrt und Parkmöglichkeiten

Das Mittelalterfest in Zülpich 2017 findet zu Füßen der kurkölnischen Landesburg aus dem 14. Jahrhundert statt. Auf dem Stadtplan auf der Website der Stadt Zülpich sind die Burg und sämtliche Parkmöglichkeiten eingetragen.

Grundherrschaft im Mittelalter

Bei unserer Arbeit sehen wir uns immer wieder mit dem typischen Klischee vom Mittelalter konfrontiert: Ritter in strahlender Rüstung und edle Damen in schönen Kleidern. Gerade im Rahmen von Mittelalterfesten in Kindergärten und Grundschulen arbeiten wir natürlich auch selbst mit diesem Klischee. Denn kleine Kinder kann man damit natürlich am besten für Geschichte begeistern.

Doch die Realität sah im Mittelalter anders aus. Mehr als 90 % der Menschen waren nämlich Bauern. Anders als heute gehörte den meisten Bauern im Mittelalter das Land, das sie bebauten, nicht selbst. Sie lebten in Grundherrschaft. Deren Grundzüge will ich hier einmal zusammenfassen.

Grundherrschaft – Trennung von Eigentum und Arbeit

Dieses moderne Wort – den Begriff der Grundherrschaft gab es im Mittelalter nicht – bezeichnet die im frühen Mittelalter entstandene und über lange Zeit gültige Agrarverfassung. Dabei übte der Eigentümer des Landes die Herrschaft auch über die auf diesem Land lebenden und arbeitenden Menschen aus.

Der Grundherr, der der König, ein Adeliger oder auch eine kirchliche Institution sein konnte, bestellte sein Land nicht selbst. Er bewirtschaftete es vielmehr mithilfe der darauf lebenden Bauern. Diesen überließ der Grundherr ein Stück Land zur Nutzung. Diese abhängigen Bauern, die Grundholden, hatten dafür Naturalabgaben und Arbeitsleistungen abzuliefern. Die Grundholden waren an das Land, auf dem sie lebten, gebunden. Denn ohne Menschen, die es bestellten, war Land nutzlos. Die Freiheit der Grundholden war dadurch eingeschränkt.

Es bestand also ein abgestuftes Recht auf das Land: Der Grundherr hatte das Eigentumsrecht, der Bauer eine Stufe darunter das Nutzungsrecht. Eigentum und Arbeit waren voneinander getrennt. Obwohl die meisten Bauern im Mittelalter in Grundherrschaft lebten, gab es durch das gesamte Mittelalter hindurch auch freie Bauern. Diese bewirtschafteten Land, das ihr Eigentum war.

Zentrum der Grundherrschaft: der Fronhof

In der Regel vergab ein Grundherr nicht sein gesamtes Land an abhängige Bauern. Ein Teil des Landes verblieb als so genanntes Salland beim Fronhof (von althochdeutsch frô = Herr, vergl. Fronleichnam = Körper des Herrn; die weiblich Form heißt frouwa und lebt im neuhochdeutschen „Frau“ weiter). Das Salland bewirtschaftete der Grundherr bzw. sein Verwalter, sein maior domus (Meier) mithilfe von persönlich unfreiem Gesinde. In großen bzw. weit verstreut liegenden Grundherrschaften gab es durchaus auch mehrere Fron- bzw. Herrenhöfe. An vielen Orten haben diese Herrenhöfe den Lauf der Zeit als Meiereien überdauert.

Das System der Grundherrschaft aus Herren- bzw. Fronhof, Gesinde und den Bauernhöfen in unterschiedlicher Rechtsstellung.
Das System der Grundherrschaft aus Herren- bzw. Fronhof, Gesinde und den Bauernhöfen in unterschiedlicher Rechtsstellung.

Zu solch einem Fronhof gehörte nicht nur das Wohnhaus des Grundherren bzw. des Meiers. Der Hof umfasste vielmehr zahlreiche weitere Gebäude. Die ergaben sich aus der Funktion des Fronhofes als zentralem Ort innerhalb des Sallandes. Das waren neben Stall und Scheune oftmals auch eine Schmiede, ein Backhaus mit Ofen und eine Wassermühle – falls ein Gewässer am Fronhof vorbei floss – sowie gegebenenfalls weitere Werkstätten. Sogar eine Eigenkirche des Grundherren – so genannt, weil der Grundherr die Kirche selbst hatte bauen lassen und das Recht besaß, den Gemeindepriester nach eigenem Gutdünken einzusetzen – konnte hier stehen. Dadurch glich solch ein Fronhof, der ringsum von einem Zaun umgeben war, schon eher einem Dorf statt einem Bauernhof.

Hufenland für die abhängigen Bauern der Grundherrschaft

Das Salland wurde ergänzt vom Hufen- bzw. Mansenland. Dieses Land vergab der Grundherr an die von ihm abhängigen Bauern zur selbständigen Bewirtschaftung. Die Hufen lagen in der näheren und weiteren Umgebung des Fronhofes verteilt. Eine Hufe war die Menge an Ackerland, die eine Bauernfamilie im Jahr bearbeiten und deren Erträge das Überleben der Familie sichern konnte. Da dies jedoch stark von der Qualität des Bodens abhing, konnte die Größe einer Hufe erheblich variieren.

Grade der Abhängigkeit der Bauern in der Grundherrschaft

Der Grad der Freiheit, den die abhängigen Bauern in der Grundherrschaft genossen, war durchaus unterschiedlich. Unter die Grundherrschaft fielen einerseits die Leibeigenen des Grundherren, also persönlich Unfreie. Diese waren nicht nur das Gesinde, das ausschließlich das Salland bearbeitete, sondern auch unfreie Hufenbauern, die auf mansi servilis lebten. Im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts begaben sich andererseits aber auch immer mehr persönlich freie Bauern, meist aus finanzieller Not, in die Abhängigkeit. Dabei behielten sie aber ihre persönliche Freiheit.

Frondienste und Abgaben

Ob ein Bauer persönlich frei oder unfrei war, konnte man noch während des 10. und 11. Jahrhunderts an seinen Verpflichtungen seinem Grundherren gegenüber ablesen. Die persönlich unfreien Bauern einer Grundherrschaft hatten nämlich vor allem Fronarbeit, das servitium, auf dem Salland zu leisten. Das waren in der Regel drei Tage in der Woche, dazu Saisonarbeiten z.B. bei der Aussaat und der Ernte. Ihre Abgabenlast war überschaubar. Persönlich freie Bauern hatten hingegen, bis auf einige wenige Hand- und Spanndienste vor allem als Saisonarbeiten, viel weniger zu fronen. Ihre Abgabenlast, der census oder Zins, war gegenüber der der persönlich unfreien Bauern deutlich höher.

Schutz im Tausch für Abgaben

Die Grundherrschaft ging aber nicht einseitig zu Lasten der Bauern. Der Grundherr hatte vielmehr auch für den militärischen und juristischen Schutz seiner Grundholden zu sorgen. Bei Missernten und in Zeiten des Hungers hatte er zudem die Menschden seiner Grundherrschaft aus seinen eigenen Vorräten zu unterstützen.

Damit konnte das Leben in Grundherrschaft durchaus auch Vorteile haben. Denn ein freier Bauer musste für seinen Schutz und den seiner Familie selber sorgen. Er war war auch rechlich auf sich allein gestellt. Neben wirtschaftlicher Not war das ein weiter Grund, aus dem Bauern freiwillig in die Grundherrschaft eintraten.

Veränderungen in der Grundherrschaft im Laufe des Mittelalters

Die Abgaben lasteten immer auf dem Land, nie auf der Person des Bauern. So lässt sich auch erklären, dass im Laufe des hohen Mittelalters der Zusammenhang zwischen dem Rechtsstatus des einzelnen Bauern und der Art seiner Hufe verloren ging.
Überhaupt gingen im Laufe des hohen Mittelalters die Lasten durch Fronarbeit zugunsten der Abgaben stetig zurück. Diese wurden zudem mehr und mehr in Geldzahlungen umgewandelt. Dies hat sicherlich mit dem Aufstieg der Ministerialität zu tun. Dazu kam die Notwendigkeit, das Salland der Grundherrschaften an immer mehr kleine Lehnsträger zu vergeben. Spätestens gegen Ende des 13. Jahrhunderts waren die meisten Sachabgaben durch Geldzahlungen ersetzt.

Leider vergaßen die Grundherren auch immer öfter, dass sie den von ihnen abhängigen Menschen auch Schutz schuldeten. So wurde der in seinem Ursprung durchaus sinnvolle Gesellschaftsvertrag irgendwann ad absurdum geführt.

Literatur

Ulrich Nonn: Gesundes Landleben oder harte Fron? Bäuerliches Leben im Mittelalter. Pax et gaudium 17, S. 6-11.

W. Rösener et.al.: Grundherrschaft. Lexikon des Mittelalters, Sp. 1739-1751.

Mittelalterliche Minnekästchen

Als Minnekästchen werden kleine, reich verzierte Kästchen aus Holz oder Elfenbein bezeichnet. Der Begriff „Minnekästchen“ stammt jedoch nicht aus dem Mittelalter. Er ist eine Wortschöpfung des 19. Jahrhunderts. Im Mittelhochdeutschen nannte man kleine Kästchen, egal für welchen Zweck, einfach „truhelin“, „sc(h)rin“, „kistlin“, „laden“, „lädlin“ oder ähnlich.

Die Frage nach der Mittelalterlichkeit von Minnekästchen

Lange Zeit wurden quasi alle derartigen Kästchen in Museen und Privatsammlungen als Fälschungen identifiziert. Ebenso wie der Begriff sollen auch die Kästchen selbst Schöpfungen des 19. Jahrhunderts gewesen sein. Mittlerweile wird die Echtheit vieler dieser Kästchen aber nicht mehr angezweifelt. Weder zeigen sie ein für das Mittelalter unübliches oder unmögliches Bildprogramm, noch sind in ihnen damals noch nicht bekannte Materialien oder Techniken zur Anwendung gekommen. So dürften die erhaltenen, als Minnekästchen angesprochenen Gegenstände tatsächlich überwiegend aus dem 13. bis 15. Jahrhundert stammen.

Eine Kultur des Schenkens

Im Mittelalter pflegten die Menschen eine Kultur des Schenkens. Durch Geschenke versicherte man sich gegenseitiger Freundschaft. Man bekräftigte derart Bündnisse und Verträge, sowohl im politischen wie auch im privaten Leben.

Auch Liebende tauschten reichlich Geschenke aus. Diese sollten jedoch die Erinnerung an den geliebten Menschen wach halten. Auf keinen Fall sollte mit ihnen die Liebe erkauft werden. Thomasin von Zerklaere zählt daher in seiner zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstandenen Sittenlehre „Der Welsche Gast“ eine kleine Reihe von Geschenken auf, die eine Dame von ihrem Verehrer annehmen darf, ohne gegen die guten Sitten zu verstoßen: „hantschuch, spiegel, vingerlin, fürspan, schapel, blumelin“.

Noch ein bisschen früher, Ende des 12. Jahrhunderts, hatte Andreas Capellanus sein Traktat „de amore“ verfasst. In diesem stellt er ebenfalls eine solche, jedoch umfangreichere Liste auf. Darin sind auch „Repositoria“ und „Pyxidem“ enthalten: Kästchen bzw. Büchsen, letztere wohl aus dem dafür beliebten Horn oder Elfenbein. Wir dürfen getrost davon ausgehen, dass entgegen aller Empfehlungen nicht wenige dieser Geschenke gemacht wurden, um das weibliche Objekt der Begierde ins Bett zu bekommen.

In Italien und Frankreich war es zudem Sitte, zur Verlobung bzw. zur Hochzeit ein kleines Geschenk zu machen. Dieses war dann gerne in einem kleinen Kästchen verpackt, dass die Wappen der sich verbindenden Familien zeigte. Allgemein dürften Minnekästchen meist nicht das Geschenk selbst, sondern eher die mehr oder weniger aufwendigen Verpackungen für die eigentlichen Liebesgaben gewesen sein.

Ob es diese Sitte auch im römisch-deutschen Reich nördlich der Alpen gab, ist unbekannt. Auffällig ist auf jeden Fall, dass Minnekästchen vor allem aus dem süddeutschen Raum stammen. Im Niederdeutschen Raum sind sie sehr selten und wahrscheinlich aus Süddeutschland dorthin gelangt.

Die Ausführung der Verzierungen auf Minnekästchen

Die Verzierungen auf Minnekästchen können auf ganz unterschiedliche Weise ausgeführt sein. Alle Kästchen waren ursprünglich bunt bemalt. Von der Farbfassung ist heute vielfach jedoch nichts mehr erhalten, denn im 19. Jahrhundert wurde diese vielfach entfernt. Häufig kommen Relief-Schnitzereien vor, die auf den Korpus des Kästchens aufgesetzt sind. Auch Intarsien-Arbeiten sind möglich. Viele Kästchen sind zudem außer mit Schloss und Scharnieren mit zahlreichen Metallbeschlägen versehen.

Vor allem in Frankreich bestehen Minnekästchen oft auch aus Elfenbein. An östlich des Rheins entstandenen Kästchen ist dieses Material nicht verarbeitet worden.

Das Bildprogramm der Minnekästchen

Neben den Wappen und den damit eng verbundenen Turnierszenen ist Frau Minne ein beliebtes Motiv auf Minnekästchen. Mal geflügelt, mal nicht, verschießt sie Liebespfeile in das Auge oder das Herz des Mannes. Insgesamt scheint das gequälte Herz des Mannes ein beliebtes Motiv auf Minnekästchen zu sein. Ein weiteres, mehrfach anzutreffendes Motiv ist das Paar, das die Hände zum Hochzeitsgestus ineinander legt. Diese Geste scheint so typisch gewesen zu sein, dass selbst die Darstellung nur der Hände als Hinweis auf die eheliche Verbindung ausgereicht hat, um verstanden zu werden.

Auch wilde Männer tauchen auf Minnekästchen des 14. und 15. Jahrhunderts immer wieder auf. Sie sind zunächst Ausdruck einer ungezügelten Triebhaftigkeit. Nicht umsonst unterliegen sie in den Darstellungen dem strahlenden, tugendhaften Ritter. Später wandeln sie sich zum Symbol eines ungebundenen Lebens, frei von höfischen Regeln. Ebenso sind auf Minnekästchen wilde Tiere und Fabelwesen dargestellt. Auch sie müssen, je nach Symbolik des jeweiligen Wesens, in ihrer Wildheit überwunden werden, sind Symbol für Treue oder beschützen den Inhalt des Kästchens vor unerlaubten Blicken. Speziell das Motiv der Hasenjagd hat bis heute seine sprichwörtliche Bedeutung behalten, handelt es sich dabei doch in den seltensten Fällen um das weidmännische Nachstellen nach Langohren.

Da Blumen zu den erlaubten Liebesgeschenken zählten, sind auch sie bzw. das Schenken von Blumen und Blumenkränzen ein häufiges Motiv auf Minnekästchen. All diese Motive und noch zahlreich mehr können einzeln oder in Kombination auftauchen. Je nach beabsichtigter Aussage sind sie sogar zu regelrechten Bildergeschichten kombiniert.

Minnekästchen in unserem Fundus

Derzeit befinden sich zwei freie Nachschöpfungen mittelalterlicher Minnekästchen in unserem Fundus. Eines ist inspiriert durch ein Kästchen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts / 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts, das sich heute in der Cloisters Collection im Metropolitan Museum in New York befindet. Das zweite Kästchen ist verziert mit einer freien Zusammenstellung verschiedener Motive aus dem frühen 14. Jahrhundert. Auf unseren Mittelaltermärkten kann man in der Regel den Handwerkern beim Bau und der Bemalung dere Kästchen zusehen – und dann natürlich auch sein eigenes Kästchen erwerben.

Literatur

Wurst, Jürgen: Reliquiare der Liebe. Das Münchner Minnekästchen und andere mittelalterliche Minnekästchen aus dem deutschsprachigen Raum. München 2005.

Mittelaltermärkte für Museen

Mittelaltermärkte für Museen auf die Beine zu stellen, das gleicht der Quadratur des Kreises. Denn dabei begegnen sich zwei völlig verschiedene Welten. Wir von Past Present Promotions versuchen es trotzdem. Und wir meinen, mit Erfolg.

Was unsere Mittelaltermärkte museumstauglich macht

Zunächst einmal führen unsere Handwerker ihr Handwerk auch wirklich vor. Bei uns kann man dem Täschner, Schreiner oder Miniaturenmaler tatsächlich bei der Arbeit zusehen. Na klar, der eine oder andere bringt auch halb fertige Produkte mit auf den Markt. Die sind dann in der heimischen Werkstatt möglicherweise – aber nicht zwingend – durch den Einsatz moderner Werkzeuge entstanden. Hier und da ersetzen unsere Handwerker auch schon einmal die traditionellen Werkstoffe durch moderne Materialien. Die eignen sich dann für den mobilen Einsatz auf einem Handwerkermarkt ein bisschen besser. Oder sie gewährleisten eine höhere Haltbarkeit als bei ihrem mittelalterlichen Vorbildern. Die Kunden sind meist ausgesprochen dankbar dafür.

Bildstickerin
Vor den Augen des Publikums entsteht ein gesticktes Bild

Auf jeden Fall aber führen unsere Handwerker einen Teil der Arbeiten vor Publikum auf dem Markt aus. Fragen zur Arbeit sind dabei nicht nur erlaubt. Im Gegenteil, sie sind herzlich willkommen. Das Ergebnis der Arbeit sind dann natürlich Produkte nach mittelalterlichen Vorlagen: Almosenbeutel, Minnekästchen oder prunkvolle Handschriften zum Beispiel. Silberschmuck mit neuheidnischen Motiven oder Ähnliches hat unserer Meinung nach nichts auf einem Mittelaltermarkt zu suchen.

Dazu kommt, dass bei uns diese Handwerker auch wirklich mittelalterlich gekleidet sind. Pluderhemd und Lederschnürhose gibt es bei unseren Handwerkern nicht. Wir brauchen also nicht auch noch ein großes Lager, um den Besuchern unserer Märkte ein stimmiges Bild der Menschen im Mittelalter zu präsentieren. Wobei – wenn es ein Lager sein soll, liefern wir natürlich aus das. Auch hier achten wir darauf, dass die Kleidung und Ausrüstung der Akteure und die Einrichtung ihrer Zelte den Ansprüchen von Museen gerecht werden.

Auch die Musik, die auf unseren Mittelaltermärkten gespielt wird, ist mittelalterlich. Bei uns gibt es keine Rauf- und Sauflieder aus dem Repertoire der Wandervögel. Es gibt Heldenepen, Minne- und Meistersang.

Was unsere Mittelaltermärkte familientauglich macht

Eigentlich sollte das oben geschriebene als Argument für Familientauglichkeit schon reichen. Aber neben dem Schauen, Fragen und In-die-Hand-nehmen haben wir auch noch ein paar ganz spezielle Attraktionen für Familien und Kinder in petto.

Armbrustschiessbude
Unsere Armbrustschießbude – beliebt bei kleinen und großen Besuchern

Schießen mit dem Bogen oder – für die kleineren Gäste – mit der Kinderarmbrust, Hufeisenwerfen und unser Ritterturnier für Kinder gehören eigentlich immer dazu. Hier machen wir zugunsten der Familientauglichkeit auch gerne Abstriche bei der historischen Korrektheit.

Und natürlich gibt es auf unseren Mittelaltermärkten Speis und Trank. Da orientieren wir uns auch durchaus am Geschmack der Neuzeit. Aber: Cola und Pommes frites wird man bei uns vergebens suchen.

Römer und Bajuwaren Museum Burg Kipfenberg

Hoch über dem Markt Kipfenberg (Landkreis Eichstätt / Oberbayern) thront die Burg Kipfenberg. Dort oben versteckt sich eines der interessantesten Museen, die ich in diesem Jahr besuchen konnte: das Römer und Bajuwaren Museum.

Auffahrt zum Museum mit Abenteuer

Die Auffahrt zum Römer und Bajuwaren Museum ist im Ort gut ausgeschildert. Die Straße hoch zur Burg ist aber schon ein kleines Abenteuer – steil und schmal. Den ganzen Weg nach oben habe ich gehoffte, dass mir kein anderes Auto entgegen kommt. Zum Glück waren aber nur ein paar Radfahrer unterwegs, die ihre Räder nach oben schoben. Vor dem Museum gibt es einen kleinen Parkplatz. Sollte sich das Museum unter Geschichts- und Archäologiefreunden herumsprechen, dürfte es dort leider schnell zu eng werden. Na ja, ist halt eine Höhenburg.

Eingang zum Museum durch Shop und Café

Das Museum betritt man durch einen gut sortierten Museumsshop. Hier ist für jeden Anspruch etwas dabei: das Holzschwert für die Kinder, populäre Literatur zu den Römern und zum frühen Mittelalter, aber auch Sach- und Fachpublikationen zu Geschichte und (experimenteller) Archäologie. Es gibt Repliken frühmittelalterlichen und römischen Schmucks, Anfängersets für das Spinnen und das Kammweben und so weiter. Ich habe dort richtig Geld gelassen. Und das will etwas heißen bei einem, der sich seit mehr als 10 Jahren mit Living History in Museen beschäftigt.

Der Kaffee im Museumscafé ist Bio und fair gehandelt, was diese Museumsgastro besonders sympatisch macht. Die Kuchenauswahl im ist nicht riesig, aber fein. Zwar stand mir der Sinn an meinem Besuchstag nicht nach Süßem. Aber wäre dem so gewesen, wäre ich sicherlich nicht ohne den Genuss eines Stückes Prinzregententorte gegangen. Ergänzt wird das Café durch einen Biergarten.

Römer und Bajuwaren

Von Shop und Café aus geht es zwei Treppen abwärts zum Beginn der Ausstellung. Im Untergeschoss dreht sich alles um den Limes, der nicht weit entfernt an Burg und Museum vorbei verläuft. Hier ist ein offizieller Limes-Infopoint eingerichtet. Auf zahlreichen Schautafeln ist alles Wissenswerte zum Verlauf und Ausbau des Limes zusammengetragen. Eine Video-Präsentation ergänzt die Ausstellung.

Die vollständig eingerichtete Rekonstruktion einer Wachstube in einem römischen Limes-Wachturm und ein kleines Götter-Heiligtum entführen hautnah in die Zeit des römischen Reiches. Wer mag, bedient sich an den Kleidungsstücken, die in einer Truhe bereit liegen, und verwandelt sich selbst in einen Römer.

Im Erdgeschoss eine Etage höher wird es dann so richtig archäologisch. Hier wird, quasi parallel an den sich gegenüber liegenden Wänden, die Geschichte der Römer auf der einen Seite und die der Germanen auf der anderen Seite des Limes erzählt. Zahlreiche Funde – und falls nötig deren Rekonstruktionen – geben einen Einblick in das Leben, den Alltag und die Sachkultur der Menschen in diesen beiden so unterschiedlichen Kulturkreisen. Auch in der „Germanen-Abteilung“ des Museums stehen Kleidungsstücke zum Anprobieren zur Verfügung.

Der „erste echte Bajuware“
Rekonstruktion des Grabes des Kriegers von Kemathen.
Die Grabrekonstruktion des Kriegers von Kemathen.

Der Rundgang gipfelt quasi in der Ankunft der wahrscheinlich aus Böhmen eingewanderten elbgermanischen Träger der Kultur von Friedenhain-Přešťovice zu Beginn des fünften Jahrhundert im Gebiet an Altmühl und Donau. Durch die Vermischung dieser, der römischen und verschiedener einheimischer Kulturen ist dann, so der aktuelle Forschungsstand, im Laufe der Zeit das Volk der Bajuwaren entstanden.

Als ein früher Vertreter dieses Volkes wir der Krieger angesehen, dessen reich ausgestattetes Grab man 1990 in einer Sandgrube bei Kipfenberg-Kemathen entdeckt hatte. Im Volksmund wird dieser Krieger der „erste echte Bajuware“ genannt. Dieses Grab bildet den abschließenden Höhepunkt in der Präsentation im Römer und Bajuwaren Museum. In einer durch Vorhänge abgeteilten Kammer ist in einer großen Vitrine die Grabkammer mit dem darin liegenden Toten mitsamt Kleidung, Waffen und sonstigen Beigaben rekonstruiert. Und ganz im Ernst: Wenn die dort gezeigten Rekonstruktionen der allgemeine Standard im Living History von Spätantike und Frühmittelalter würden, dann wären wir einen großen Schritt weiter. Und das Irrsinnigste ist: Die ganze Ausstattung gibt es gleich zweimal. Denn neben dem „Leichnam“ in der Rekonstruktion der Grabkammer steht die Figurine des Kriegers noch einmal aufrecht in einer weiteren Vitrine.

Foto der vitrine mit den Grabbeigaben des Kriegers von Kemathen.
Die Vitrine mit den Grabbeigaben des Kriegers von Kemathen. Vorne die Beschläge des römischen Militärgürtels, hinten rechts das für die Kultur von Friedenhain-Přešťovice typische Gefäß.

Um die „Grabkammer“ herum sind die Original-Objekte aus der Grabung präsentiert und auf zahlreichen Texttafeln erläutert und in den kulturgeschichtlichen Kontext gestellt. Die Knochen des Verstorbenen sind in einem eigenen Bereich verwahrt. Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Analysen an den Knochen sind gut verständlich erklärt.

Living History im Römer und Bajuwaren Museum

Ein ganz besonderes Angebot im Römer und Bajuwaren Museum ist die Möglichkeit, sich römische Kleidung und / oder Rüstungsteile auszuleihen. In und mit dieser Ausrüstung kann man ein paar Tage auf dem Gelände des Museums im Zelt leben oder sich ein Stück des Limes erwandern – ein tolles Angebot für Familien. Besser kann ein Museum das Leben in einer vergangenen Epoche nicht erfahrbar machen.

Mehr zum Museum, seinen Preisen und Öffnungszeiten gibt es auf www.bajuwaren-kipfenberg.de

Lebendige Geschichte wie wir sie verstehen

Auf die Römer mit Gebrüll
Auf die Römer mit Gebrüll

Hallo, wir sind Past Present Promotions, die Agentur für lebendige Geschichte, auf Neudeutsch Living History. Womit wir auch schon beim Knackpunkt wären: Denn eigentlich kann man Geschichte – oder besser: die Vergangenheit – ja nicht wieder lebendig machen.

Wir versuchen es trotzdem, zumindest ein kleines Stückchen weit, und zwar auf unterschiedlichen Wegen. Diese Wege haben jedoch alle einen gemeinsamen Nenner. Und das ist die Frage, wie wir den Menschen im Hier und Jetzt das Leben in der Vergangenheit verständlich, ja regelrecht begreifbar machen können.

Kleidung berührt uns alle
Ein neuer Auftrag für den Legionär
Ein neuer Auftrag für den Legionär

Für uns ist dabei das Thema Kleidung sehr wichtig. Denn Kleidung berührt uns alle, hautnah. Über Kleidung und Kleidungsaccessoires lässt sich zumindest ein kleines Stück des Lebensgefühls der Menschen vergangener Epochen nachvollziehen. Wir arbeiten also mit Rekonstruktionen historischer Kleidung, kurz: im Kostüm.

Friedrich von Moers - ein Ritter, wie er im Buche steht
Friedrich von Moers – ein Ritter, wie er im Buche steht

Oha, sagt da der Rheinländer, Karneval! Nee, brrr, hold the horses. Kostüm durchaus im wissenschaftlichen Sinn, also als zeitlich und regional typische Kleidung. Immerhin wollen wir Wissen vermitteln. Locker und kurzweilig zwar, aber eben fachlich untermauert. Übrigens haben wir dazu schon einmal ein Interview für den Blog des LVR-LandesMuseum Bonn gegeben.

Einem neuen Kostüm geht also immer die Recherche voraus. Welche Materialien, welche Farben und Muster waren damals möglich? Wie waren die Kleidungsstücke zugeschnitten? Welche Accessoires waren typisch für Region und Zeitraum, was können wir selbst herstellen, was müssen wir machen lassen und, ganz wichtig – wo bekommen wir die Materialien her?

Details mit Augenmaß
Als das Rheinland französisch war: ein Bürgerpaar in der Sommerfrische
Als das Rheinland französisch war: ein Bürgerpaar in der Sommerfrische

Wir tragen diese Kleidung bei unserer Arbeit selbst. Da stellt sich natürlich die Frage, wie dann andere Menschen ein Verständnis vom Tragegefühl dieser Kleidung bekommen sollen. Ganz einfach: Indem sie sehen, wie wir uns in dieser Kleidung bewegen und indem sie uns und unsere Kleidung anfassen dürfen.

Das bedingt natürlich, dass unsere Kleidung möglichst materialgerecht gefertigt ist. Ob Wolle, Leinen, Seide oder Baumwolle – diese Frage nehmen wir sehr ernst. Jedoch gehen wir hier und da bewusst Kompromisse ein. So sind unsere Stoffe auch für Darstellungen der vorindustriellen Epochen nicht zwingend handgewebt, die Garne nicht handgesponnen und nicht unbedingt mit Naturfarben gefärbt.

Das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass uns die Erfahrung gezeigt hat, dass das gar nicht nötig ist. Denn die Kleidung vergangener Zeiten ist oft in ihrer Gesamtheit schon so andersartig, dass es auf diese Dinge erst einmal nicht ankommt. Der zweite Grund ist: Wir wollen ganz einfach bezahlbar bleiben.

Die Roaring 20ies - Landpartie mit Auto
Die Roaring 20ies – Landpartie mit Auto

Manches kaufen wir ein, lassen es von Profis nach unseren Vorgaben fertigen. Oft legen wir dabei noch einmal selbst Hand an, um Details zu verbessern oder zu ergänzen. Vieles aber machen wir auch komplett selbst. Das gilt vor allem für die Accessoires wie Schmuck und – bei militärischen Darstellungen – zum Teil auch Waffen. Die meisten Gegenstände aus Holz, Leder und Bein und sogar einige aus Buntmetall in unserem Fundus stammen aus unserer Werkstatt. Dabei trauen wir uns immer wieder an neue Materialien und Arbeitstechniken heran.

Unsere Kostüme werden auch nie wirklich fertig. Immer gibt es noch etwas zu verbessern. Mal hat die Forschung neue Erkenntnisse hervor gebracht, mal sind wir handwerklich besser geworden, mal finden wir einen besseren Zulieferer und manchmal stellen wir einfach schmerzlich fest, dass wir etwas übersehen haben. Und natürlich unterliegen die Kleidungsstücke auch einem gewissen Verschleiß.

Lebendige Geschichte als Werkzeug für Bildung und Vermittlung

Wir sind Profis in der Vermittlung von Geschichte, ausgebildete Museumspädagogen. Anders als die Mitglieder von Living History-Vereinen – die, das steht außer Frage, oft wirklich gute Ausstattungen haben – machen wir das alles nicht für uns selbst. Wir nutzen vielmehr unsere Kleidung und Ausrüstung als ein Vehikel für die interaktive Bildungsarbeit. Hinter unseren Angeboten steht immer ein pädagogisch-didaktisches Konzept.

In unseren Kostümen führen wir also zum Beispiel Erlebnisführungen in Museen und als Stadtführungen durch. Bei diesen Erlebnis-Angeboten schlüpfen wir nicht nur in die Rolle von fiktiven oder realen Zeitzeugen. Vielmehr binden wir unser Publikum in unsere Aktionen mit ein. Zu speziellen Themen entwickeln wir außerdem Spielszenen, mit denen wir die Bedeutung historischer Ereignisse oder die Gedankenwelt der Menschen in der Vergangenheit ein kleines Bisschen lebendig werden lassen.

Gerne arbeiten wir auch mit Kindern und Jugendlichen, vermitteln zum Beispiel grundlegende Fertigkeiten in alten Handwerkstechniken. Was nicht heißt, dass wir das nicht auch für Erwachsene machen. Und wir planen und organisieren größere Veranstaltungen rund um Geschichte, als Museums- oder Stadtfest, aber auch als Feier in Schulen und KiTas.

Mehr oder weniger regelmäßig wollen wir hier einen Einblick in unsere Arbeit geben. Wir wollen Geschichte erzählen. Denn: Geschichte war nicht, Geschichte ist.