{"id":362,"date":"2019-06-19T14:47:37","date_gmt":"2019-06-19T14:47:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.3p-event.de\/?p=362"},"modified":"2019-06-19T14:47:39","modified_gmt":"2019-06-19T14:47:39","slug":"die-entstehung-der-grundherrschaft-im-fruehen-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.3p-event.de\/?p=362","title":{"rendered":"Die Entstehung der Grundherrschaft im fr\u00fchen Mittelalter"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entstehung der Grundherrschaft im fr\u00fchen Mittelalter waren vielschichtig. Sie beruhten einerseits auf Entwicklungen, die in der r\u00f6mischen Sp\u00e4tantike angelegt worden waren. Andererseits lagen ihre Urspr\u00fcnge in der Struktur der germanischen Gesellschaft. Im fr\u00fchen Mittelalter entwickelte sich aus diesen beiden Wurzeln im westlichen Teil des Frankenreiches, auf dem Boden der ehemaligen gallischen Provinzen, die klassische Form der Grundherrschaft, das Villikationssystem.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Au\u00dferhalb dieser Region fand diese Form der Agrarverfassung nur allm\u00e4hlich und dann auch nicht fl\u00e4chendeckend ihre Anwendung. Bis zum Ende des Hochmittelalters hatte sich die klassische Form der Grundherrschaft schon wieder aufgel\u00f6st.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Die Urspr\u00fcnge der Grundherrschaft im r\u00f6mischen Reich<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Die f\u00fcr die Grundherrschaft typische Bindung der Bauern an das von ihnen bewirtschaftete Land entstand schon in der r\u00f6mischen Sp\u00e4tantike. Im sp\u00e4ten 4. und dann im 5. Jahrhundert verlor die mit Sklaven betriebene Latifundienwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Stattdessen siedelten die Eigent\u00fcmer der villae rusticae verst\u00e4rkt Kolonen, b\u00e4uerliche P\u00e4chter, auf ihrem Land an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Mit dem fortschreitenden Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in den westlichen Reichsteilen gingen allm\u00e4hlich viele hoheitliche Funktionen auf die Gro\u00dfgrundbesitzer \u00fcber. Dadurch gerieten die urspr\u00fcnglich freien Kolonen in eine immer st\u00e4rker werdende Abh\u00e4ngigkeit vom Grundeigent\u00fcmer. Aus der zun\u00e4chst wirtschaftlichen wurde St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck schlussendlich auch eine rechtliche Abh\u00e4ngigkeit. Grundlage der Herrschaftsaus\u00fcbung blieb im r\u00f6mischen Reich jedoch immer das Bodeneigentum.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Die Urspr\u00fcnge der Grundherrschaft in der germanischen Gesellschaft<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Die germanische Gesellschaft bestand vor allem aus Freien und halbfreien Knechten. Ob es einen echten Adel bei den Germanen gab, dar\u00fcber diskutierte man sogar noch zu Zeiten Karls des Gro\u00dfen. Aber nat\u00fcrlich gab es eine Oberschicht, die sich Aufgrund von Herkunft, Leistung oder Erfahrung und damit dem politischen Gewicht klar vom Rest der Bev\u00f6lkerung abgrenzte. Neben diesen drei Bev\u00f6lkerungsgruppen gab es jedoch auch bei den Germanen Sklaven, die Unfreien. Im Gegensatz zu den Sklaven im r\u00f6mischen Reich wurden die Unfreien bei den Germanen jedoch nicht kaserniert. Vielmehr siedelte man sie auf eigenen Hofstellen an. Von ihren Ertr\u00e4gen mussten die Unfreien nun Abgaben in Form von Getreide, Vieh und Kleidung an die Herren entrichten. Frondienste gab es bei den Germanen noch nicht. Grundlage der Herrschaft war hier immer die pers\u00f6nliche Abh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Die Entstehung der Grundherrschaft auf den fr\u00e4nkischen K\u00f6nigsg\u00fctern<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Der salfr\u00e4nkische K\u00f6nig Chlodwig hatte im fr\u00fchen 6. Jahrhundert seine Macht auf die ehemaligen gallischen Provinzen des r\u00f6mischen Reiches ausgedehnt. In der Folge konnte der fr\u00e4nkische Adel, allen voran das K\u00f6nigshaus der Merowinger, zahlreiche r\u00f6mische Landg\u00fcter an sich bringen. Auf diesen K\u00f6nigsg\u00fctern, sp\u00e4ter auch auf G\u00fctern der Kirche, entwickelte sich das System der Grundherrschaft mit einem Herrenhof und den davon abh\u00e4ngigen Bauernstellen. Die Anf\u00e4nge sind im 7. Jahrhundert fassbar. Voll ausgebildet war die Grundherrschaft erstmals im 9. Jahrhundert im mittleren Seine-Gebiet. Von dort aus breitete sie sich vor allem nach Nordosten und Osten aus. Die Grundherrschaft war jedoch nie die einzige Form der Herrschaftsaus\u00fcbung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Die Ursachen f\u00fcr die Entstehung der Grundherrschaft sind wohl einerseits in der ausgedehnten Rodungst\u00e4tigkeit vor allem im 8. Jahrhundert zu suchen, andererseits in einer ver\u00e4nderten Wirtschaftsweise. Unter den Merowinger beschr\u00e4nkte sich der Frondienst der freien Bauern auf die \u201e<em>riga<\/em>\u201c, die Arbeit auf einem kleinen St\u00fcck Herrenland. Die Ertr\u00e4ge daraus fielen vollst\u00e4ndig an den Herrn. Das restliche Herrenland wurde in alter r\u00f6mischer Tradition durch kasernierte Sklaven bewirtschaftet. Seit dem 7. und verst\u00e4rkt dem Beginn des 8. Jahrhunderts wurden nun aber zunehmend sowohl Kolonen, die als Nachfahren der Gallo-R\u00f6mer weiterhin nach r\u00f6mischem Recht lebten, als auch Sklaven mit durch Rodung neu geschaffenen Bauerng\u00fctern ausgestattet. Diese Vermehrung der Ackerfl\u00e4che f\u00fchrte gleichzeitig zu einer Intensivierung des Getreideanbaus. Die Viehwirtschaft, vor allem in Form der Waldweide, nahm im gleichen Zuge ab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"383\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/luttrellpsalter_1330_p23r-1024x383.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-363\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/luttrellpsalter_1330_p23r-1024x383.jpg 1024w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/luttrellpsalter_1330_p23r-300x112.jpg 300w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/luttrellpsalter_1330_p23r-768x287.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Bauern bei der Aussaat. Lutrell-Psalter, p 23 r, um 1330. The British Library<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Bei der Viehwirtschaft verteilten sich die n\u00f6tigen Arbeiten mehr oder weniger gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber das Jahr. Beim Getreideanbau jedoch fielen die Arbeiten nun sto\u00dfweise an, vor allem vor der Aussaat und bei der Ernte. Das Vorhalten der daf\u00fcr n\u00f6tigen Arbeitskr\u00e4fte in Form von kasernierten Sklaven wurde dadurch unwirtschaftlich. Auf selbst\u00e4ndigen Bauernstellen angesiedelte Sklaven hingegen ern\u00e4hrten sich selbst \u2013 uns sorgten mit der Gr\u00fcndung eigener Familien auch noch von ganz alleine f\u00fcr einen st\u00e4ndigen Nachschub an Arbeitskr\u00e4ften. Zudem hatten sie, im Gegensatz zu kasernierten Sklaven, ein eigenes Interesse am Ertrag ihres Hofes, von dem Abgaben zu leisten waren.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Das Hufenland \u2013 Grundlage der grundherrschaftlichen Landaufteilung<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Wichtiger Bestandteil der Grundherrschaft war die <a href=\"http:\/\/www.3p-event.de\/grundherrschaft-im-mittelalter\">Aufteilung des Landes in Mansen<\/a> \u2013 auf deutsch Hufen \u2013, also in Parzellen, die genau so gro\u00df waren, dass eine Familie dieses Land bewirtschaften und sich von diesem Land auch ern\u00e4hren konnte. Eine Hufe ist eine vom Fronhof abh\u00e4ngige, aber selbst\u00e4ndig wirtschaftende Bauernstelle mit Hofstatt, Ackerland und den Rechten zur Nutzung der Allmende, also vor allem der gemeinschaftlich genutzten Weide- und Waldfl\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Der <em>mansus<\/em> enstand im 7. Jahrhundert in der Umgebung von Paris. Seine Wurzeln hat er sowohl im r\u00f6mischen <em>jugum<\/em>, der Bemessungsgrundlage f\u00fcr die Besteuerung (<em>jugum<\/em> ist eigentlich das lateinische Wort f\u00fcr Joch. Im \u00fcbertragenen Sinn ist es die Fl\u00e4che, die mit einem Ochsengespann bearbeitet werden kann.) Andererseits liegen die Wurzeln des <em>mansus<\/em> in der <em>colonica<\/em>, dem b\u00e4uerlichen Familienbetrieb.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Da die Ertr\u00e4ge nat\u00fcrlich stark von den klimatischen Verh\u00e4ltnissen und der Bodenqualit\u00e4t abh\u00e4ngen, konnte die Gr\u00f6\u00dfe einer Hufe sehr unterschiedlich ausfallen. So lagen die Hufengr\u00f6\u00dfen der Abtei Saint-Germain-des-Pr\u00e9s (die dem gleichnamigen Stadtteil von Paris ihren Namen gegeben hat) im 9. Jahrhundert zwischen 0,25 Hektar und 17 Hektar, die der Abtei Lobbes im Hennegau im gleichen Zeitraum zwischen 15 Hektar und 38 Hektar.<br> <\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Der \u00dcbergang von der Sklaverei zur Leibeigenschaft<br> <\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit der Entstehung der Grundherrschaft wurden aus Sklaven Leibeigene. Diese waren an den Leib des Herrn gebunden, arbeiteten auf dem Herrenhof und konnten vererbt werden. Ende des 10. Jahrhunderts war der \u00dcbergang von der Sklaverei zur Leibeigenschaft abgeschlossen. Dazu geh\u00f6rte die Anerkennung der Deliktf\u00e4higkeit des Grundh\u00f6rigen \u2013 ein Sklave konnte nicht vor Gericht gestellt werden, sondern wurde von seinem Herrn nach Gutd\u00fcnken bestraft. Anders als ein Sklave durfte ein Unfreier aber von seinem Herrn auch nicht mehr ohne Grund get\u00f6tet werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig hatte nicht mehr nur der Herr, sondern zumindest teilweise auch die Familie eines durch Fremdverschulden zu Tode gekommenen Unfreien Anrecht auf das Wergeld. Damit einher ging die nicht nur in der Praxis gelebte, sondern auch rechtlich abgesicherte Ehe- und Verm\u00f6gensf\u00e4higkeit der Unfreien.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> W\u00e4hrend der Entstehung der Grundherrschaft wurden im Laufe der Zeit immer mehr Sklaven auf abh\u00e4ngigen Bauernstellen angesiedelt. Gleichzeitig mussten die so zu Grundh\u00f6rigen gewordenen Sklaven immer mehr Frondienste leisten. \u00dcber diese Dienste waren die unfreien Bauern mit dem zu bewirtschaftenden Herrenland verschr\u00e4nkt. Im Gegensatz zu einem Leibeigenen ist der Grundh\u00f6rige nicht an den Leib des Herrn, sondern an den Boden gebunden. Wechselte eine Hufe den Besitzer, wechselten die an die Hufe gebundenen Bauern den Herrn.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Der Weg von freien Bauern in die grundherrschaftliche Unfreiheit<br><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Aus verschiedenen Gr\u00fcnden traten auch immer wieder freie Bauern in einen Fronhof-Verband ein. Der wichtigste Grund war die Befreiung vom Kriegsdienst. Freie Bauern unterlagen dem Heerbann. F\u00fcr Waffen, R\u00fcstung und in karolingischer Zeit auch immer \u00f6fter ein Pferd mussten sie selbst aufkommen. W\u00e4hrend eines Kriegszuges stand ihre Arbeitskraft dann auch nicht auf dem eigenen Hof zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Zudem wurde der Druck auf die freien Bauern k\u00fcnstlich erh\u00f6ht. Bauern, deren freier Grundbesitz die Begehrlichkeiten eines Gro\u00dfen in der Gegend geweckt hatte, die aber partout nicht verkaufen wollten, wurden in der Folge einfach \u00fcberproportional h\u00e4ufig zum Kriegsdienst gerufen \u2013 so lange, bis sie v\u00f6llig verarmt waren und ihr Land dann doch \u00fcbergeben mussten. War das geschehen, konnten sie von nun an zuhause bleiben. Mancher Freie ging sogar so weit, sich selbst verknechten zu wollen, um dem Heerdienst zu entgehen. Das war aber wohl eher die Ausnahme als die Regel und ist nur sehr selten urkundlich belegt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Bauern, die ihr freies Eigenland verloren und ihr Land fortan als P\u00e4chter bestellten, gingen mit dem Grundherrn zun\u00e4chst ein rein wirtschaftliches Verh\u00e4ltnis ein. Daher gab es neben den unfreien Hufen (<em>mansi serviles<\/em>) auch freie Hofstellen (<em>mansi ingenuiles<\/em>) und als Zwischenstufe die minderfreien Hufen, die <em>mansi lidile<\/em>s. Die H\u00f6he der Abgaben und die Menge der zu leistenden Frondienste waren dabei immer an die Hufe gebunden, unabh\u00e4ngig vom pers\u00f6nlichen Stand des Bauern. Ein pers\u00f6nlich freier Bauer, der auf einer unfreien Hufe sa\u00df, musste daher dennoch vergleichsweise mehr Fronarbeit leisten und daf\u00fcr weniger Pachtabgaben zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Freie Hufenbauern liefen dennoch Gefahr, den unfreien Hintersassen derselben Grundherrschaft gleichgestellt zu werden. Vor allem reiche Kl\u00f6ster nutzten ihre starke Stellung aus: Sie nahmen die aus den Pachtbedingungen geschuldeten Frondienste als Beleg f\u00fcr die auch pers\u00f6nliche Unfreiheit eines Bauern. So hielten sie die Bauern von den \u00f6ffentlichen Gerichten fern und unterwarfen sie ihrer eigenen, grundherrschaftlichen Gerichtsbarkeit.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Die Verbreitung des grundherrschaftlichen Systems<br><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"> Im 9. Jahrhundert breitete sich das klassische System der Grundherrschaft nach Flandern, Ost-Frankreich, England und Nord-Italien aus. In ihrer reinen Auspr\u00e4gung blieb sie aber beschr\u00e4nkt auf Austrasien, Neustrien und Burgund. Selbst im Kerngebiet, zwischen Seine und Rhein, war das klassische und voll ausgebildete System der Grundherrschaft nicht die h\u00e4ufigste Form der Herrschaft. In Burgund wurde das Herrenland noch im 10. Jahrhundert in der Regel nicht durch fronende Bauern, sondern durch kasernierte Sklaven bewirtschaftet. Fronen mussten die unfreien Bauern hier oft nur an drei Tagen im Jahr. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> In Portugal, \u00f6stlich der Elbe und in Friesland hat es die Grundherrschaft nie gegeben, in Spanien \u2013 zun\u00e4chst der spanischen Mark, im Zuge der Reconquista dann Katalonien und Kastilien \u2013 kaum. Auch in S\u00fcdfrankreich, Mittelitalien und B\u00f6hmen war sie immer nur schwach vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Insgesamt waren trotz Allem immer noch mehr als 50 % der Bauern freie Landeigent\u00fcmer. Dennoch blieb die Sklaverei f\u00fcr lange Zeit weiter fundamental f\u00fcr die Landwirtschaft sowohl in gro\u00dfen als auch in kleinen Betrieben.  So galt es noch um das Jahr 800 als Zeichen bitterer Armut, wenn ein freier Mann keinen Sklaven hatte. Tats\u00e4chlich waren es vor allem kirchliche Institutionen, die noch lange Zeit vom Einsatz von Sklaven profitierten. Gem\u00e4\u00df den Beschl\u00fcssen des 16. Konzils von Toledo im Jahr 693 sollten Pfarrkirchen, die \u00fcber weniger als 10 Sklaven verf\u00fcgten, mit anderen Pfarreien zusammengelegt werden. Noch in der karolingischen Gesetzgebung waren f\u00fcr jede Pfarrkirche mindestens vier Sklaven zur Bearbeitung der Kircheng\u00fcter vorgesehen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Alternativen zur Grundherrschaft im fr\u00fchen Mittelalter<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Auch nach der Entstehung der Grundherrschaft existierten mehrere alternative Systeme der Landnutzung. So gab es vor allem in S\u00fcdfrankreich Herrschaften, in denen alles Land an die Bauern vergeben war. Somit gab es kein Salland und damit auch keine Frondienste. Die Bauern in diesen Herrschaften bestellten ihr Land in Teilbau. Das hei\u00dft, dass sie einen festen Anteil, meist 1\/10 ihrer Ernte, die taxe, an den Grundeigent\u00fcmer abf\u00fchren mussten. Hinzu kamen Naturalabgaben f\u00fcr die Nutzung von Wald und Weide.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Auch in Nordfrankreich gab es praktisch keine Frondienste. Abgaben wurden in Form von Getreide und Holz geleistet, und zwar nicht anteilig, sondern in festen Mengen. Dieses System l\u00e4sst sich in direkter Linie auf sp\u00e4tr\u00f6mische Staatsdom\u00e4nen zur\u00fcckf\u00fchren, die vor allem in die H\u00e4nde der Kirche und einiger weniger M\u00e4chtiger im Umfeld des K\u00f6nigs gefallen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Bei einem dritten Alternativtyp waren nur wenige Hufen an freigelassene Sklaven vergeben. Der \u00fcberwiegende Teil des Landes wurde als Salland auch hier durch kasernierte Sklaven bewirtschaftet, aus denen sp\u00e4ter Leibeigene wurden.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Der Niedergang der Grundherrschaft im hohen Mittelalter<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Schon im 9. Jahrhundert konnte der Verkauf von zur erblichen Nutzung \u00fcberlassenem Herrenland nicht mehr verhindert werden. Die villae als geschlossene Herrschaftsgebiete l\u00f6sten sich so schon recht fr\u00fch allm\u00e4hlich wieder auf. Karl der Kahle musste sich in einem Edikt des Jahres 864 mit eben diesem Problem befassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Die Last der Abgaben an den Grundherrn nahm ebenfalls seit dem 9. Jahrhundert kontinuierlich ab. Im 12. Jahrhundert waren die Bodenzinsen unbedeutend geworden. Im 13. Jahrhundert hatten sie vielfach sogar nur noch symbolischen Charakter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Im 12. Jahrhundert zogen sich die Grundherren au\u00dferdem zunehmend aus der direkten Bewirtschaftung ihres Landes zur\u00fcck. Immer h\u00e4ufiger verpachteten sie ihr Land parzelliert an die Bauern. Auch viele Herrenh\u00f6fe wurden nun nicht mehr selbst mittels eines Meiers betrieben, sondern verpachtet. Gleichzeitig wandelten die Grundherren die Frondienste in Geldabgaben um. Somit verschwand auch die Leibeigenschaft. Aus Leibeigenen wurden Grundh\u00f6rige.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Beg\u00fcnstigt wurde diese Entwicklung im 13. Jahrhundert durch die Welle von Stadtgr\u00fcndungen. In den St\u00e4dten mit ihrer st\u00e4rker arbeitsteiligen Gesellschaft fanden die Bauern die M\u00e4rkte, auf denen sie ihre Ernte\u00fcbersch\u00fcsse in bare M\u00fcnze umwandeln konnten. Nur die Kl\u00f6ster hielten vielfach bis in das 13. Jahrhundert am klassischen System der Grundherrschaft fest.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Trotz allem blieb die Last der Abgaben f\u00fcr die Bauern hoch. Oft lieferten die \u00c4cker als Ertrag nur das 2,5- bis 4-fache der Aussaat. Das bedeutete, dass zwischen 25 % und 40 % der Ernte f\u00fcr die n\u00e4chste Aussaat zur\u00fcckgehalten werden musste. Selbst eine vergleichsweise geringe Abgabenlast konnte da schnell einen erheblichen Teil der als Nahrungsmittel nutzbaren Vorr\u00e4te ausmachen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Zus\u00e4tzliche Belastungen durch die Burgherrschaft<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Neben der Grundherrschaft entwickelte sich seit dem 10. Jahrhundert vor allem in Frankreich die Burg- bzw. Bannherrschaft. Zum Schutz gegen die Einf\u00e4lle der Wikinger und der Ungarn \u2013 und in Frankreich und Italien auch gegen die Sarazenen \u2013 hatten die franz\u00f6sischen K\u00f6nige und die r\u00f6misch-deutschen K\u00f6nige und Kaiser vermehrt begonnen, Burgen zu bauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Gegenleistung f\u00fcr den Schutz verlangten die Burgherren, die sich angesichts eines zun\u00e4chst vor allem in Frankreich schwachen K\u00f6nigtums rasch von ihren Herren frei machen konnten, von den Bauern in der Umgebung ihrer Burg  Abgaben und Frondienste, die consuetudines. Diese waren f\u00fcr alle Bauern gleich, egal ob frei oder unfrei. Dadurch und durch die immer geringer werdenden grundherrschaftlichen Abgaben und Dienste verwischten sich die Grenzen zwischen freien und unfreien Bauern immer mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Neben Abgaben und Frondiensten verlangten die Burgherren auch die Gastung f\u00fcr ihre Leute, also Kost und Logis. Vielfach verh\u00e4ngten sie, ebenso wie die Grundherren, den M\u00fchl- und Backzwang und requirierten Wagen und Ger\u00e4t. Zudem \u00fcbten die Burgherren vermehrt die niedere Gerichtsbarkeit aus, die eigentlich bei den Grundherren lag. Voll durchsetzen konnte sich dieses System im Laufe des 12. Jahrhunderts. Burg- und Grundherrschaft waren zwar formal zwei getrennte Herrschaftstitel, lagen aber sp\u00e4testens seit dem 13. Jahrhundert meist in einer Hand. Die Belastung f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/inforo1300.wordpress.com\/2018\/02\/15\/bauer-ist-nicht-gleich-bauer-die-soziale-abstufung-der-landbevoelkerung\/?fbclid=IwAR1omhvNANnTkXQ2CosRAWSEOe7iz9MzVILhxsRSMCMKrP6IgSeVBANR21g\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\" aria-label=\"Bauern (\u00f6ffnet in neuem Tab)\">Bauern<\/a> wurde dadurch jedoch nicht geringer.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><br> Literatur<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> Gilomen, Hans-J\u00f6rg: Wirtschaftsgeschichte des Mittelalters. M\u00fcnchen 2014.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><br> R\u00f6sener, Werner: Agrarwirtschaft, Agrarverfassung und l\u00e4ndliche Gesellschaft im Mittelalter. Enzyklop\u00e4die Deutscher Geschichte Band 13. M\u00fcnchen 1992.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die Entstehung der Grundherrschaft im fr\u00fchen Mittelalter waren vielschichtig. 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