{"id":240,"date":"2017-01-31T18:54:26","date_gmt":"2017-01-31T18:54:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.3p-event.de\/?p=240"},"modified":"2017-01-31T18:57:30","modified_gmt":"2017-01-31T18:57:30","slug":"standorte-fuer-staedtische-handwerker-im-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.3p-event.de\/?p=240","title":{"rendered":"Standorte f\u00fcr st\u00e4dtische Handwerker im Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p>Eines unserer Standbeine ist die Organisation historischer, vor allem mittelalterlicher Handwerkerm\u00e4rkte. Da liegt es nahe, sich mit dem Thema Handwerk im Mittelalter ein bisschen n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen. Denn Stra\u00dfennamen wie L\u00f6hergasse, Tuchgaden, T\u00f6pferhof, wie zum Beispiel in Frankfurt am Main, geben zwar in vielen mittelalterlichen Altst\u00e4dten Hinweise auf die Standorte f\u00fcr st\u00e4dtische Handwerker im Mittelalter. Aber haben hier wirklich diejenigen gewohnt, deren Berufsbezeichnung auf dem Stra\u00dfenschild steht? Ich bin dem einmal nachgegangen.<\/p>\n<h6>Arch\u00e4ologen und Historiker untersuchen die fr\u00fcheren Standorte st\u00e4dtischen Handwerks<\/h6>\n<p>Ob st\u00e4dtische Handwerker wirklich in den Stra\u00dfen gelebt und gearbeitet haben, die den Namen ihres Handwerks tragen, h\u00e4ngt vor allem davon ab, um welches Handwerk es sich handelt. Aber auch, f\u00fcr welche Stadt und f\u00fcr welche Zeit diese Frage gestellt wird. Oft l\u00e4sst sich jedoch keine befriedigende Antwort finden. Das liegt an den beschr\u00e4nkten methodischen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Arch\u00e4ologen suchen nach Hinterlassenschaften der Handwerker im Boden. Bei denjenigen Berufen, die mit festen Ein- oder Aufbauten gearbeitet haben, geht das sehr gut. Solche Handwerker sind zum Beispiel Gerber mit ihren Gruben oder T\u00f6pfer und B\u00e4cker mit ihren \u00d6fen. Mit Einschr\u00e4nkungen k\u00f6nnen auch Werkzeuge oder Produktionsabf\u00e4lle genutzt werden, die im Boden erhalten wurden. Doch muss der Arch\u00e4ologe hier immer mit erheblichen Verlagerungen rechnen.<\/p>\n<p>Mindestens zwei Drittel aller Handwerker, die in einer Stadt gearbeitet haben, sind arch\u00e4ologisch allerdings \u00fcberhaupt nicht fassbar. Dennoch k\u00f6nnen Arch\u00e4ologen wichtige Beitr\u00e4ge zur Gewerbesituation einer Stadt leisten. Vor allem, wenn schriftliche Zeugnisse fehlen, ist ihre Arbeit gefragt.<\/p>\n<p>Quellen des Historikers sind hingegen insbesondere die Steuerlisten, die in jeder Stadt auch schon im Mittelalter gef\u00fchrt wurden, die so genannten \u201eScho\u00dfregister&#8220;. Leider sind in den Listen nur die Namen der Steuerpflichtigen verzeichnet. Au\u00dferdem setzt die \u00dcberlieferung dieser Dokumente erst recht sp\u00e4t im Mittelalter ein und ist ziemlich l\u00fcckenhaft.<\/p>\n<p>Nur in einigen wenigen F\u00e4llen sind \u00e4ltere Listen erhalten. So beispielsweise in K\u00f6ln f\u00fcr das Kirchspiel St. Kolumba. Hier ist die Kirchensteuerliste aus dem Jahr 1286 \u00fcberliefert. Diese Liste macht deutlich, wie wenig aussagekr\u00e4ftig mitunter die Stra\u00dfennamen f\u00fcr das st\u00e4dtische Gef\u00fcge sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_242\" aria-describedby=\"caption-attachment-242\" style=\"width: 860px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-242\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/plan_st_kolumba_koeln.jpg\" alt=\"Stra\u00dfenplan des Kirchenspiels St. Kolumba in K\u00f6ln mit den nachweisbaren Standorten der Handwerker im Jahr 1286.\" width=\"860\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/plan_st_kolumba_koeln.jpg 860w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/plan_st_kolumba_koeln-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/plan_st_kolumba_koeln-768x536.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 860px) 100vw, 860px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-242\" class=\"wp-caption-text\">Stra\u00dfenplan des Kirchenspiels St. Kolumba in K\u00f6ln mit den nachweisbaren Standorten der Handwerker im Jahr 1286.<\/figcaption><\/figure>\n<h6>Schmiede \u2013 nicht immer da, wo sie sein sollten<\/h6>\n<p>Als Beispiel k\u00f6nnen hier die Schmiede dienen. Denn weder in der K\u00f6lner Streitzeug- noch in der Schwertnergasse war im Jahr 1286 auch nur ein einziger Waffen- oder R\u00fcstungsschmied ans\u00e4ssig. Diese konzentrierten sich vor allem im Bereich der Hohe Stra\u00dfe. Kein Wunder, denn die K\u00f6lner Schmiede geh\u00f6rten nicht zu den armen Leuten und die Hohe Stra\u00dfe war Teil von K\u00f6lns \u201eguter Stube&#8220;.<\/p>\n<p>Arme Leute wiederum waren schon eher in der Streitzeuggasse anzutreffen. Die einzigen beiden Handwerker unter ihnen, die \u00fcberhaupt etwas mit der Metallverarbeitung zu schaffen hatten, waren zwei Kesselschl\u00e4ger.<\/p>\n<p>In Basel waren die Verh\u00e4ltnisse ganz \u00e4hnlich. Hier sind in den Scho\u00dfregistern des Jahres 1453\/54 in der Eisengasse nur ein Messerschmied und ein Schwertfeger aufgef\u00fchrt, daf\u00fcr aber 16 Schuster!<\/p>\n<h6>Gerbergassen \u2013 Stinker am Stadtrand<\/h6>\n<p>Ganz anders sieht die Situation bei den Gerbern aus. Ob nun am Rotgerberbach wie in K\u00f6ln oder in der L\u00f6hergasse \u2013 unter Lohe versteht man geh\u00e4ckselte Eichen- oder Fichtenrinde, die gro\u00dfe Mengen des f\u00fcr die Rotgerbung n\u00f6tigen Gerbstoffes Tannin enth\u00e4lt \u2013 wie in Frankfurt: Dort haben mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit tats\u00e4chlich \u00fcberwiegend Gerber gelebt oder zumindest gearbeitet. Denn um aus rohen H\u00e4uten Leder zu machen, ben\u00f6tigt der Gerber gro\u00dfe Mengen an Wasser. Daher haben die Gerber ihre Werkst\u00e4tten stets an einem Gew\u00e4sser betrieben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_243\" aria-describedby=\"caption-attachment-243\" style=\"width: 599px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-243 size-full\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_frankfurt_main.jpg\" alt=\"Karte der Altstadt von Frankfurt\/M.\" width=\"599\" height=\"377\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_frankfurt_main.jpg 599w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_frankfurt_main-300x189.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 599px) 100vw, 599px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-243\" class=\"wp-caption-text\">Karte der Altstadt von Frankfurt\/M.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Au\u00dferdem haben mittelalterliche Gerbereien erb\u00e4rmlich gestunken. Im Laufe der Zeit wurden daher die Gerberwerkst\u00e4tten durch st\u00e4dtische Verordnungen immer st\u00e4rker in eigenen Vierteln konzentriert. So auch in Villingen: Hier lagen die Gerbereien zumeist in der \u2013 wie der Name schon vermuten l\u00e4sst \u2013 Gerberstra\u00dfe. Die Lage am Stadtrand und direkt an einem Arm des Stadtbachsystems, kurz bevor die stinkende Br\u00fche die Stadt verlie\u00df, ist typisch f\u00fcr dieses Handwerk.<\/p>\n<figure id=\"attachment_246\" aria-describedby=\"caption-attachment-246\" style=\"width: 600px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-246\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_villingen.jpg\" alt=\"Villingen im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachgewiesenen Standorten von Gerbereien.\" width=\"600\" height=\"671\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_villingen.jpg 600w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_villingen-268x300.jpg 268w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-246\" class=\"wp-caption-text\">Villingen im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachgewiesenen Standorten von Gerbereien.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mancherorts mussten die Gerber zumindest mit ihren Werkst\u00e4tten sogar vor die Stadt ausweichen. So verf\u00fcgte der Rat der Stadt Bern im Jahr 1326 die Ansiedlung der Gerber im Gerbergraben, und das sogar unter Androhung der Zwangsumsiedlung.<\/p>\n<figure id=\"attachment_244\" aria-describedby=\"caption-attachment-244\" style=\"width: 513px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-244\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_hoexter.jpg\" alt=\"Der Stadtplan des mittelalterlichen H\u00f6xter im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachweisbaren Gewerben.\" width=\"513\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_hoexter.jpg 513w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_hoexter-300x292.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 513px) 100vw, 513px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-244\" class=\"wp-caption-text\">Der Stadtplan von H\u00f6xter im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachweisbaren Gewerben.<\/figcaption><\/figure>\n<p>In H\u00f6xter durften die Gerber zwar in der Stadt wohnen bleiben. 1514 erlegte ihnen der Stadtrat jedoch auf, ihre H\u00e4ute nur noch au\u00dferhalb der Stadt zu reinigen. Sie sollten so die st\u00e4dtischen Gew\u00e4sser nicht so verschmutzen. Ganz aus der Stadt konnte man die Gerber nicht weisen. Denn sie geh\u00f6rten in H\u00f6xter zu den wohlhabenderen und damit auch einflussreicheren B\u00fcrgern.<\/p>\n<h6>Feuer, L\u00e4rm und Gestank \u2013 unbeliebte Nachbarn<\/h6>\n<p>Nicht nur die Gerber wurden h\u00e4ufig an den Stadtrand oder in die Vorst\u00e4dte gedr\u00e4ngt. All diejenigen Berufe, die mit einer mehr oder weniger intensiven Geruchsentwicklung einhergingen, waren in vielen St\u00e4dten ungern gesehen. Aber auch solche, zu deren Aus\u00fcbung ein Feuer unterhalten werden musste, wurden vielfach aus dem Stadtzentrum verbannt. Auch wenn man ihrer Dienste dringend bedurfte:<\/p>\n<p>In Siegen wurden die Gerber und Metzger wegen des Gestankes in einer Stra\u00dfe zusammengezogen. Die Schmiede, Schlosser und Fallenschl\u00e4ger konzentrierte man hingegen wegen des L\u00e4rms und der Feuergefahr in einem eigenen Stra\u00dfenzug.<\/p>\n<p>In Frankfurt\/Main wies 1403 der Rat der Stadt die Fassbinder und B\u00f6ttcher darauf hin, dass f\u00fcr sie Wohnpflicht in der Bendergasse bestehe. Offensichtlich war diese Verordnung aber auch 100 Jahre nach ihrem Inkrafttreten ohne nennenswerten Erfolg geblieben.<\/p>\n<p>Bischof Johann II. von W\u00fcrzburg verf\u00fcgte in der Polizeiordnung von 1424\/26, dass Kesselschl\u00e4ger und T\u00f6pfer zwar in der Stadt wohnen und hier auch ihre Erzeugnisse verkaufen durften. Ihre Werkst\u00e4tten aber mussten sie in den Vorst\u00e4dten betreiben. Diese Handwerker gingen daraufhin in der Pleichachvorstadt ihrer Arbeit nach.<\/p>\n<p>Der Rat der Stadt Basel verbannte nach dem Stadtbrand im Jahr 1427 die B\u00e4cker, T\u00f6pfer und Glockengie\u00dfer aus der Stadt, da diese in ihren Werkst\u00e4tten Feuer unterhielten. In L\u00fcbeck mussten sich 1477 alle Kerzenmacher <em>dorch stankes willen<\/em> und auch wegen der Brandgefahr vor dem Holstentor niederlassen. In Stra\u00dfburg wurden im 15. Jahrhundert erstaunlicherweise die B\u00e4cker zur Vermeidung von Gestank aus der Stadt gewiesen. Die Liste lie\u00dfe sich beinahe endlos fortsetzen.<\/p>\n<p>Ein weiteres Mittel, mit dem sowohl der Stadtrat als auch einzelne Grundst\u00fccksbesitzer Einfluss auf die Verteilung der verschiedenen Gewerbe aus\u00fcben konnten, waren Berufsverbote f\u00fcr einzelne Grundst\u00fccke. In K\u00f6ln bestanden solche Verbote f\u00fcr Metzger, Gerber, F\u00e4rber, Hutmacher, Schmiede und solche Berufe, die Schmelz\u00f6fen betrieben.<\/p>\n<p>Umgekehrt war die Vergabe einer Gewerbelizenz oft an bestimmte Grundst\u00fccke gebunden. Zu den betroffenen Gewerben geh\u00f6rten die Schmiede, die B\u00e4cker, die T\u00f6pfer und die Brauer. Verordnungen der Z\u00fcnfte spielten bei der Verteilung der verschiedenen Berufe in der Stadt hingegen keine Rolle.<\/p>\n<h6>Ausnutzung von Standortvorteilen durch st\u00e4dtische Handwerker<\/h6>\n<p>Die Gerber waren nicht die Einzigen, deren Berufsaus\u00fcbung an bestimmte r\u00e4umliche Voraussetzungen gekn\u00fcpft war. In vielen St\u00e4dten waren sie immer wieder an \u00e4hnlichen Standorten zu finden. So haben sich Seiler meist am Stadtrand in der N\u00e4he der Mauer niedergelassen. Denn hier konnten sie am besten die langen Reeperbahnen errichten. Hufschmiede unterhielten ihre Werkst\u00e4tten oft verkehrsg\u00fcnstig an den Torstra\u00dfen.<\/p>\n<p>All diejenigen Handwerker, die den allt\u00e4glichen Bedarf der Bewohner deckten, wie B\u00e4cker, Schuhmacher und Schneider, waren meist gleichm\u00e4\u00dfig \u00fcber die Stadt verteilt. Doch auch hier gab es Ausnahmen. So sa\u00dfen die Kieler Schuhmacher fast alle in der Ha\u00dfstra\u00dfe und \u201eBei der Mauer&#8220;. Die Goslarer B\u00e4cker konzentrierten sich an der B\u00e4ckerstra\u00dfe.<\/p>\n<figure id=\"attachment_245\" aria-describedby=\"caption-attachment-245\" style=\"width: 528px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-245\" src=\"http:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_goettingen.jpg\" alt=\"Der Stadtplan von G\u00f6ttingen im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachweisbaren Standorten f\u00fcr st\u00e4dtische Handwerker.\" width=\"528\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_goettingen.jpg 528w, https:\/\/www.3p-event.de\/wp-content\/uploads\/2017\/01\/altstadtplan_goettingen-300x284.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 528px) 100vw, 528px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-245\" class=\"wp-caption-text\">Der Stadtplan von G\u00f6ttingen im sp\u00e4ten Mittelalter mit den nachweisbaren Standorten f\u00fcr st\u00e4dtische Handwerker.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei den Metzgern war die Streulage, so sie nicht ohnehin aufgrund einer Verordnung in die Vorst\u00e4dte abgedr\u00e4ngt wurden, ebenfalls der Normalzustand. Doch es gab gerade bei den Angeh\u00f6rigen dieses Berufes viele Ausnahmen. Die L\u00fcbecker Metzger konzentrierten sich in der N\u00e4he des Schlachthauses.<\/p>\n<p>In G\u00f6ttingen\u00a0konzentrierten sich die Metzger im Nicolai-Viertel und in Hamburg am n\u00f6rdlichen Stadtrand zwischen dem Schlachthof und den Fleischschrangen \u2013 den Verkaufsst\u00e4nden. Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Konzentrationen sind wohl \u00fcberwiegend wirtschaftlicher und weniger rechtlicher Natur. Der Bezug von Rohstoffen und Produktionsmitteln d\u00fcrfte daf\u00fcr Anlass gewesen sein.<\/p>\n<h6>Immer ein wenig au\u00dfen vor \u2013 die T\u00f6pfer<\/h6>\n<p>St\u00e4dtische Handwerker, die meist freiwillig am Stadtrand, in den Vorst\u00e4dten oder gar ganz au\u00dferhalb der St\u00e4dte lebten und arbeiteten, waren unter anderen die T\u00f6pfer. \u00dcberhaupt war das T\u00f6pferhandwerk traditionell eher auf dem Land angesiedelt, weswegen die T\u00f6pfer nur langsam den Weg in die St\u00e4dte fanden. Denn dort war die Versorgung mit Ton, Holz und Wasser, den Rohstoffen f\u00fcr das T\u00f6pferhandwerk, ungleich schwieriger als au\u00dferhalb der Mauern.<\/p>\n<p>Reine T\u00f6pfervorst\u00e4dte sind zum Beispiel aus Mayen bekannt, wo die T\u00f6pfer zwar in Sichtweite der Genovevaburg, aber von dieser durch einen Graben getrennt lebten. In Siegburg lagen die Werkst\u00e4tten der T\u00f6pfer an der Aulgasse (Aul\/Ul = Topf),\u00a0 n\u00f6rdlich der Stadt. Viele Siegburger T\u00f6pfer hatten ihre Wohnh\u00e4user jedoch innerhalb der Stadtmauern. In Regensburg waren die T\u00f6pfer in der Prebrunn- (Brennbrunn-) Siedlung ans\u00e4ssig. Mit dem Prebrunntor hatte die T\u00f6pfersiedlung auch einen eigenen Zugang zur Stadt.<\/p>\n<h6>Starker Stoff \u2013 die Weber<\/h6>\n<p>Die Situation der Wollweber stellt sich in den einzelnen St\u00e4dten sehr unterschiedlich dar. Das liegt daran, dass in einigen St\u00e4dten sehr feine Wolltuche hergestellt wurden, die zu einem gro\u00dfen Teil in den Export gingen. Die Wollweber geh\u00f6rten hier zu den reicheren Leuten. Daher wohnten sie auch eher in den teureren Lagen im Stadtzentrum. In den St\u00e4dten, in denen Tuche vor allem f\u00fcr den lokalen Markt erzeugt wurden, wohnten die Wollweber \u00fcber die Stadt verstreut.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich abweichend war die Wohnsituation der Wollweber in Hildesheim, Braunschweig, G\u00f6ttingen und W\u00fcrzburg. Hier lebten die Tuchmacher in den Vorst\u00e4dten. Das lag aber nicht an ihrer sozial schwachen Stellung, sondern daran, dass hier \u2013 in Hildesheim und Braunschweig belegt, in G\u00f6ttingen und W\u00fcrzburg zumindest sehr wahrscheinlich \u2013 flandrische Weber angeworben und in eigens f\u00fcr sie errichteten Vorst\u00e4dten untergebracht wurden.<\/p>\n<p>Viel schlechter als den Wollwebern ging es den Leinewebern. Im Sp\u00e4tmittelalter z\u00e4hlten sie in manchen Regionen gar zu den unehrlichen Leuten. Der Grund daf\u00fcr war unter anderem, dass sie wegen des reichlichen Abfalls, der auf dem Weg vom Flachsst\u00e4ngel zum fertigen Leinen anf\u00e4llt, weniger Fertigprodukte auslieferten, als sie vorher Rohstoff erhalten hatten. Den Verdacht, unterwegs ein wenig davon in die eigene Tasche abzuzweigen, wurden sie nicht los. Da sie es mit ihrer Arbeit nicht zu Wohlstand bringen konnten, wohnten sie in den \u00e4rmeren Gegenden am Stadtrand.<\/p>\n<h6>Sehr gefragt \u2013 die B\u00e4cker<\/h6>\n<p>Die B\u00e4cker geh\u00f6rten zu den f\u00fcr die \u00f6rtliche Versorgung unbedingt n\u00f6tigen Handwerkern. Entsprechend waren ihre Wohn- und Arbeitsst\u00e4tten meist recht gleichm\u00e4\u00dfig in der Stadt verstreut. In manchen St\u00e4dten, so auch in G\u00f6ttingen, siedelten sich ein paar mehr B\u00e4cker am Marktplatz an. Auch in H\u00f6xter lebten zwischen 1482 und 1517 die meisten der 14 in den Scho\u00dfregistern nachweisbaren B\u00e4cker in der N\u00e4he des alten und des neuen Marktes sowie verkehrsg\u00fcnstig an der Westerbeke, dem Strang des Hellweges durch die Stadt.<\/p>\n<p>Mancherorts waren besonders Eckgrundst\u00fccke bei B\u00e4ckern beliebt. Auch hier war wohl wieder die gute Erreichbarkeit f\u00fcr die Kunden ausschlaggebend. Ein in H\u00f6xter ergrabener Backofen aus dem 15. Jahrhundert lag ebenfalls in einem Eckhaus, doch ist es verwunderlich, dass dieses Grundst\u00fcck keinem der in der fraglichen Zeit in H\u00f6xter urkundlich erw\u00e4hnten B\u00e4cker zugeordnet werden kann.<\/p>\n<h6>Literatur<\/h6>\n<p>H. Jansen, G. Ritter, D. Wiktorin, E. Gohrbandt u. G. Weiss: Der historische Atlas K\u00f6ln. K\u00f6ln 2003.<\/p>\n<p>Landesdenkmalamt Baden-W\u00fcrttemberg\/Stadt Z\u00fcrich (Hrsg.): Stadtluft, Hirsebrei und Bettelm\u00f6nch. Stuttgart 1992.<\/p>\n<p>H. R\u00fcthing: H\u00f6xter um 1500. Paderborn 1986.<\/p>\n<p>H. Steenweg: G\u00f6ttingen um 1400. G\u00f6ttingen 1990.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines unserer Standbeine ist die Organisation historischer, vor allem mittelalterlicher Handwerkerm\u00e4rkte. Da liegt es nahe, sich mit dem Thema Handwerk im Mittelalter ein bisschen n\u00e4her zu besch\u00e4ftigen. 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