Lebendige Geschichte wie wir sie verstehen

Auf die Römer mit Gebrüll
Auf die Römer mit Gebrüll

Hallo, wir sind Past Present Promotions, die Agentur für lebendige Geschichte, auf Neudeutsch Living History. Womit wir auch schon beim Knackpunkt wären: Denn eigentlich kann man Geschichte – oder besser: die Vergangenheit – ja nicht wieder lebendig machen.

Wir versuchen es trotzdem, zumindest ein kleines Stückchen weit, und zwar auf unterschiedlichen Wegen. Diese Wege haben jedoch alle einen gemeinsamen Nenner. Und das ist die Frage, wie wir den Menschen im Hier und Jetzt das Leben in der Vergangenheit verständlich, ja regelrecht begreifbar machen können.

Kleidung berührt uns alle
Ein neuer Auftrag für den Legionär
Ein neuer Auftrag für den Legionär

Für uns ist dabei das Thema Kleidung sehr wichtig. Denn Kleidung berührt uns alle, hautnah. Über Kleidung und Kleidungsaccessoires lässt sich zumindest ein kleines Stück des Lebensgefühls der Menschen vergangener Epochen nachvollziehen. Wir arbeiten also mit Rekonstruktionen historischer Kleidung, kurz: im Kostüm.

Friedrich von Moers - ein Ritter, wie er im Buche steht
Friedrich von Moers – ein Ritter, wie er im Buche steht

Oha, sagt da der Rheinländer, Karneval! Nee, brrr, hold the horses. Kostüm durchaus im wissenschaftlichen Sinn, also als zeitlich und regional typische Kleidung. Immerhin wollen wir Wissen vermitteln. Locker und kurzweilig zwar, aber eben fachlich untermauert. Übrigens haben wir dazu schon einmal ein Interview für den Blog des LVR-LandesMuseum Bonn gegeben.

Einem neuen Kostüm geht also immer die Recherche voraus. Welche Materialien, welche Farben und Muster waren damals möglich? Wie waren die Kleidungsstücke zugeschnitten? Welche Accessoires waren typisch für Region und Zeitraum, was können wir selbst herstellen, was müssen wir machen lassen und, ganz wichtig – wo bekommen wir die Materialien her?

Details mit Augenmaß
Als das Rheinland französisch war: ein Bürgerpaar in der Sommerfrische
Als das Rheinland französisch war: ein Bürgerpaar in der Sommerfrische

Wir tragen diese Kleidung bei unserer Arbeit selbst. Da stellt sich natürlich die Frage, wie dann andere Menschen ein Verständnis vom Tragegefühl dieser Kleidung bekommen sollen. Ganz einfach: Indem sie sehen, wie wir uns in dieser Kleidung bewegen und indem sie uns und unsere Kleidung anfassen dürfen.

Das bedingt natürlich, dass unsere Kleidung möglichst materialgerecht gefertigt ist. Ob Wolle, Leinen, Seide oder Baumwolle – diese Frage nehmen wir sehr ernst. Jedoch gehen wir hier und da bewusst Kompromisse ein. So sind unsere Stoffe auch für Darstellungen der vorindustriellen Epochen nicht zwingend handgewebt, die Garne nicht handgesponnen und nicht unbedingt mit Naturfarben gefärbt.

Das hat zwei Gründe. Der erste Grund ist, dass uns die Erfahrung gezeigt hat, dass das gar nicht nötig ist. Denn die Kleidung vergangener Zeiten ist oft in ihrer Gesamtheit schon so andersartig, dass es auf diese Dinge erst einmal nicht ankommt. Der zweite Grund ist: Wir wollen ganz einfach bezahlbar bleiben.

Die Roaring 20ies - Landpartie mit Auto
Die Roaring 20ies – Landpartie mit Auto

Manches kaufen wir ein, lassen es von Profis nach unseren Vorgaben fertigen. Oft legen wir dabei noch einmal selbst Hand an, um Details zu verbessern oder zu ergänzen. Vieles aber machen wir auch komplett selbst. Das gilt vor allem für die Accessoires wie Schmuck und – bei militärischen Darstellungen – zum Teil auch Waffen. Die meisten Gegenstände aus Holz, Leder und Bein und sogar einige aus Buntmetall in unserem Fundus stammen aus unserer Werkstatt. Dabei trauen wir uns immer wieder an neue Materialien und Arbeitstechniken heran.

Unsere Kostüme werden auch nie wirklich fertig. Immer gibt es noch etwas zu verbessern. Mal hat die Forschung neue Erkenntnisse hervor gebracht, mal sind wir handwerklich besser geworden, mal finden wir einen besseren Zulieferer und manchmal stellen wir einfach schmerzlich fest, dass wir etwas übersehen haben. Und natürlich unterliegen die Kleidungsstücke auch einem gewissen Verschleiß.

Lebendige Geschichte als Werkzeug für Bildung und Vermittlung

Wir sind Profis in der Vermittlung von Geschichte, ausgebildete Museumspädagogen. Anders als die Mitglieder von Living History-Vereinen – die, das steht außer Frage, oft wirklich gute Ausstattungen haben – machen wir das alles nicht für uns selbst. Wir nutzen vielmehr unsere Kleidung und Ausrüstung als ein Vehikel für die interaktive Bildungsarbeit. Hinter unseren Angeboten steht immer ein pädagogisch-didaktisches Konzept.

In unseren Kostümen führen wir also zum Beispiel Erlebnisführungen in Museen und als Stadtführungen durch. Bei diesen Erlebnis-Angeboten schlüpfen wir nicht nur in die Rolle von fiktiven oder realen Zeitzeugen. Vielmehr binden wir unser Publikum in unsere Aktionen mit ein. Zu speziellen Themen entwickeln wir außerdem Spielszenen, mit denen wir die Bedeutung historischer Ereignisse oder die Gedankenwelt der Menschen in der Vergangenheit ein kleines Bisschen lebendig werden lassen.

Gerne arbeiten wir auch mit Kindern und Jugendlichen, vermitteln zum Beispiel grundlegende Fertigkeiten in alten Handwerkstechniken. Was nicht heißt, dass wir das nicht auch für Erwachsene machen. Und wir planen und organisieren größere Veranstaltungen rund um Geschichte, als Museums- oder Stadtfest, aber auch als Feier in Schulen und KiTas.

Mehr oder weniger regelmäßig wollen wir hier einen Einblick in unsere Arbeit geben. Wir wollen Geschichte erzählen. Denn: Geschichte war nicht, Geschichte ist.

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